Wirtschaft und Reparationspolitik, 141
waren: 1, Die Reichsbahn gibt fünfprozentige Goldobligationen in Höhe
von 10 Milliarden zur Sicherung des Zinsendienstes der 500 Gold-
millionen jährlich aus. 2, Industrie, Banken, Handel, Verkehr und Land-
wirtschaft leisten jährlich 500 Millionen Goldmark für eine durch erst-
stellige Pfandrechte gesicherte Verpflichtung von 10 Milliarden Gold-
mark, 3, Als Sicherheit für die Jahresleistungen werden die Zölle auf
Genußmittel, ferner die Verbrauchsabgaben für Tabak, Bier, Wein und
Zucker sowie die Erträge des Branntweinmonopols verpfändet.
Drei Wochen später kam die Friedenskundgebung des Papstes.
Allein Frankreich war nach Poincares hochmütigen Worten von
„keiner geistlichen und keiner weltlichen Macht zu hindern“, den ein-
geschlagenen Weg weiterzugehen; es habe es mit der Regelung der
Reparationsfrage keineswegs eilig. Damals stand der Dollar, obwohl
schon riesige Goldbeträge zur Stützung der Mark geopfert waren, auf
176 000 Mark gegen 10000 Mark bei Beginn der Ruhrbesetzung. In
rasendem Lauf ging die Markentwertung weiter, Es kostete der Dollar
am 9. Juli 1923 .‚ . . . 180000 Mark
am 23. Juli 1923 . . . . 350000 Mark
am 30, Juli 1923 ‚ . . . 1100000 Mark.
Der damalige englische Ministerpräsident Baldwin verglich die
Wirkung der Ruhrbesetzung für den internationalen Handel mit den
Folgen, die sich ergeben, wenn man mit der Klinge eines Taschenmessers
in ein Uhrwerk hineinstoße. Die Vergewaltigung der Ruhr konnte keine
produktive, sondern nur eine destruktive Wirkung haben.
Da Poincare internationale Sachverständige zur Prüfung der Re-
parationsfirage nach wie vor ablehnte, griff England zu dem Mittel,
daß es in einer Note vom 11. August 1923 vor der ganzen Welt die
Rechtswidrigkeit der Ruhrbesetzung betonte. Aus
diesem aufsehenerregenden Schritt Englands gegenüber dem England
verbündeten Frankreich zog Deutschland keinen Nutzen. Die Sozial-
demokraten hatten damals nichts Besseres zu tun, als durch ein
Mißtrauensvotum die Stellung des Kanzlers Dr. Cuno zu erschüttern.
Um die angeblich wertvolle, in Wirklichkeit schon lange fragwürdig
gewordene Hilfe der Sozialdemokratie der Reichsregierung zu erhalten,
bildete am 13. August Dr. Stresemann als neuer Kanzler das
Kabinett der sog. Großen Koalition. Die Regierungskrise trieb
den Dollar auf 3,3 und 4,86 Millionen Mark. Die baldige Annahme des
Goldanleihegesetzes, das schon von Dr. Cuno angekündigt war, dämpfte
das Valutafieber und brachte den Dollar vorübergehend auf 2,7 Mil-
lionen herunter, Allein schon am 21, August erreichte der Dollar einen
neuen Höchststand von 5,5 Millionen Mark, An diesem Tage wurde