Full text: Die deutsche Wirtschaft

198 Prof, Dr. O0, Goebel: 
kann man daher die Auslese vor dem Eintritt nicht anwenden, sondern 
nur die Hilfe der Psychotechnik bei der Verteilung der Arbeitskräfte 
im Werk in Anspruch nehmen. Aber hier verspricht die Auslese, sach- 
gemäß vorgenommen, nennenswerten Nutzen, um so größeren, je mehr 
es sich um mechanisierte Betriebe, um Reihen- und Massenfabrikation 
handelt, Die psychotechnische Auslese ist nicht nur wichtig für die 
Handarbeiter, sondern auch für die Angestelltenschaft, Bei Werken, 
bei denen nach der Art des Betriebes eine verhältnismäßig große Zahl 
von Angestellten gegenüber den Arbeitern vorhanden ist, sind gerade 
hier die Ersparnismöglichkeiten besonders groß. Jeder Bürobetrieb 
neigt zu einem bürokratischen Gebilde; es sind Zuständigkeiten gegen- 
einander durch generelle Verordnungen und Geschäftsverteilungen ab- 
zugrenzen, und doch sind im Gegensatz zur ausführenden Handarbeit 
wiederum fast alle darauf angewiesen, sich mit vielen anderen fort- 
während über die Erledigung der Angelegenheiten auseinanderzusetzen. 
Die daraus entstehenden Berührungs- und Reibungspunkte nehmen 
stets stärker zu als die Zahl der beteiligten Personen. Je hochwertiger 
und je besser für seine Sonderarbeit ausgesucht der einzelne Angestellte 
ist, mit um so geringeren Gesamtzahlen von Angestellten kommt man 
aus, um so kleiner ist die Zahl der Teilungspunkte und um so geringer 
sind die Gefahren bürokratischer Unübersichtlichkeit und Schwer- 
fälligkeit, die große Betriebe der Privatindustrie ebenso bedrohen wie 
große öffentliche Verwaltungen. 
Der Gesichtspunkt der Gefährdung durch bürokratische Schwer- 
fälligkeit und bürokratischen Schematismus spielt auch bei Einführung 
des Taylorismus erheblich mit. Es ist ja doch nicht so, daß man die 
geistige Arbeit, die früher der gelernte Arbeiter neben seiner Hand- 
tätigkeit leistete, erspart, sondern man verlegt sie nur an andere 
Stellen, in die Hand besonderer Angestellter, in der Hoffnung, sie da- 
durch sachgemäßer und systematischer ausüben zu können. Aber in der 
Errichtung besonderer Büros für die Vorbereitung und Leitung des Her- 
stellungsvorganges bis in die letzte Einzelheit hinein liegt die Gefahr 
der Bürokratisierung, der Zunahme der Reibungspunkte, der formalen 
Erledigung, der Auseinanderreißung von Planung und Ausführung. In 
manchem Werk haben sich schon aus diesem Grunde die erwarteten 
Vorteile der Taylorisierung nicht eingestellt, und amerikanische Bei- 
spiele zeigen, daß man im Rahmen der weitgehenden Arbeitsteilung, die 
im Taylorismus liegt, sich davor hüten muß, die ausführenden Kräfte zu 
gedankenlosen Mechanismen herabzuwürdigen, denn sonst versagt auf 
die Dauer selbst die einfachste Ausführung nach Anweisung, und die 
Zahl der Aufsichtsbeamten schwillt in einer Weise an, daß alle Vorteile 
wieder verlorengehen. Im Gegenteil, man muß immer bestrebt sein,
	        
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