Wirtschaftliche Betriebsmethoden, 201
die Gefahr bei der Normung. Die Normung bezieht sich ja in der
Regel auf solche Teile, die längst einen konstruktiven Abschluß ge-
funden haben, und sie vereinigt im Prinzip die Konstruktionen, Her-
stellungs- und Verwendungserfahrungen aller maßgebenden Stellen.
Aber von einer Seite können doch auch hier Neuerungsnotwendigkeiten
eintreten, denen sich anzupassen ähnlichen Widerständen begegnen
wird wie die Neutypisierung, Es ist das das Auftreten neuen
Materials, Neue Legierungen mit bisher ungeahnten technischen Eigen-
schaften oder die Notwendigkeit, lieber einheimische als ausländische
Rohstoffe zu verwenden, können die Grundlagen einer Normung
umstellen,
Eine wichtige Seite der Betriebsführung ist die Betriebskontrolle
durch Formulare und Statistiken. Auf diesem Gebiete wird viel ge-
sündigt, Nicht mit einer Flut von Formularen und Kontrollen soll
man arbeiten, sondern mit möglichst wenigen, dafür aber klaren und
unausweichlichen, Eine zu große Ausdehnung des Formularwesens
erfordert ein großes Personal, erschwert die Übersichtlichkeit und ruft
passiven Widerstand hervor. Es kommt dann leicht zu leichtsinnigen
Eintragungen, insbesondere wo es gilt, Fehler zu vertuschen. Die Auf-
gabe der Abfassung der Formulare wird zu Unrecht oft subalternen
Stellen überlassen; durch die Vertausendfachung ihrer Wirkung rächen
sich auf diesem Gebiet selbst kleine Fehler und unnötige Verwickelt-
heiten stark, Es darf auch keine lebensfremde Starrheit in der Be-
arbeitungsfolge im Betrieb infolge formularmäßiger Ordnung eintreten.
Eine zwingende Reihenfolge der Fertigung vom Rohstoff bis zum
letzten Erzeugnis im gleichmäßigen Fluß des Materials ist natürlich als
Ideal anzustreben, läßt sich aber in der Praxis durchaus nicht immer
durchführen,
Es ist, wie ersichtlich, eine Fülle von Aufgaben, die dem Unter-
mehmer in der neuzeitigen wirtschaftlichen Betriebsführung gestellt
wird, Alles in allem bleiben geistige Beweglichkeit, verbunden mit
einer eigentümlichen Mischung von Vorsicht und Entschlußkraft, die
Haupteigenschaften, die ein Unternehmer zeigen muß, Aber mit der
geistigen Beherrschung der Betriebsführung allein ist es nicht getan.
Der erfolgreiche Unternehmer muß auch eine moralische Persönlich-
keit sein und ein Führer für seine Arbeitnehmer sowie im öffentlichen
Leben, Auch das gehört zur erfolgreichen wirtschaftlichen Betriebe-
führung,