Fortschritte des politischen Denkens. 511
Jahr 1840 herum allein schon die sehr politischen „Unpolitischen
Lieder“ von Hoffmann von Fallersleben, die „Lieder eines
kosmopolitischen Nachtwächters“ von Dingelstedt, die satirische
Komödie „Politische Wochenstube“ von Prutz, die „Gedichte
eines Lebendigen“ von Herwegh ins Feld getreten.
Von den beteiligten Dichtern war Hoffmann von Fallers⸗
leben, damals schon etwa vierzigjährig, noch der ruhigste,
der eigentliche Vaterlandssänger, der unsterbliche Dichter des
„Liedes aller Deutschen“: „Deutschland, Deutschland über alles!“
(1841). Gerade, ehrlich, der Romantik noch nicht gänzlich fern,
schuf er aus der Tiefe einer eingehenden geschichtlichen Kenntnis
der deutschen Volksseele; wir haben Lieder von ihm, die man
nach ihrem psychischen Gehalte auf den ersten Blick geneigt
sein könnte dem 15. oder 16. Jahrhundert zuzuschreiben, so
scharf erfassen sie den historischen Moment; und auf echt alt⸗
germanisch ist seine Lyrik unzertrennlich vom Gesange. So
hat er schon in jungen Jahren so köstliche Kunstwerke ge—
schaffen, wie das heute noch vielgesungene ‚Zwischen Frankreich
und dem Böhmerwald“. Um das Jahr 1840 aber, mit der
Thronbesteigung Friedrich Wilhelms IV., dessen Untertan er
als Professor an der Universität Breslau war, wurde er
politisch. Und politisch hieß ihm national:
Treue Liebe bis zum Grabe
Schwör' ich dir mit Herz und Hand;
Was ich bin und was ich habe,
Dank' ich dir. mein Vaterland.
Indes auch dieser reinste aller politischen Standpunkte,
dessen Höhe lauter aus den Unpolitischen Liedern hervorgeht,
schützte ihren Verfasser nicht vor Verfolgung; Anfang 18483
wurde Hoffmann seines Amtes entsetzt. Es hat ihn nicht
eigentlich verbittert:
Es ist noch nichts verloren:
Professor oder nicht —
Der findet noch Augen und Ohren,
Wer Wahrheit schreibt und spricht.
Doch tritt in seinen späteren Gedichten, neben manchem