Deutsche Wasserstraßenpolitik. 353
konnte jedoch dadurch eintreten, daß nach langen Bemühungen im
Jahre 1924 erreicht wurde, daß wenigstens für bestimmte Verkehrsbeziehungen
am Rhein ein Wasserumschlagtarif für einige Häfen eingeführt
wurde, der so niedrige Eisenbahnfrachten vorsieht, daß dort der
Rheinschiffahrt wieder etwa der gleiche Verkehr zufallen kann wie
vor dem Kriege,
Ist es auch die wichtigste Aufgabe der Wasserstraßenpolitik, einen
maßgebenden Einfluß auf die Gestaltung der Eisenbahntarife zu gewinnen,
so gilt es doch, auch auf anderen Gebieten die Binnenschiffahrt
zu fördern. Hierzu gehört die Fürsorge für die Entwicklung der Häfen,
deren Ausbau und Ausgestaltung durch leistungsfähige Umschlageinrichtungen
wesentlich dazu beitragen kann, den Kahnumlauf zu
beschleunigen und so die Frachten zu verbilligen; auch der unmittelbare
Anschluß der Häfen an die Eisenbahn und die Errichtung von Eisenbahn-Tarifstationen
in den Häfen selbst ist von erheblicher Bedeutung.
Bei allen diesen Aufgaben, die der Förderung der Wasserstraßen dienen
sollen, wird ein Zusammenarbeiten der Regierung mit den am Verkehr
beteiligten Erwerbskreisen, besonders mit den Vertretern der Schifffahrt,
von Nutzen sein. So waren schon vor dem Kriege in Preußen zur
beratenden Mitwirkung bei Bau und Betrieb der Kanäle Bezirkswasserstraßen-Beiräte
und ein Landeswasserstraßen-Beirat gebildet worden.
Auf Grund der neuen Reichsverfassung wurde dann, entsprechend dem
Reichseisenbahnrat, die Errichtung eines Reichswasserstraßen-Beirats
sowie von acht Bezirkswasserstraßen-Beiräten vorgesehen, zu deren
Bereich auch die Seewasserstraßen gehören. Zu ihren weitgesteckten
Aufgaben gehört nicht nur die Mitwirkung bei baulichen und polizeilichen
Maßnahmen, sie sollen auch bei Fragen der Landeskultur, bei
Einrichtung der Wasserstraßenverwaltung und insbesondere bei der Gestaltung
der Abgabentarife mitwirken. Für die Entwicklung der Binnenschiffahrt
war ferner von Bedeutung das im Jahre 1895 erlassene
Reichsgesetz, betreffend die privatwirtschaftlichen Verhältnisse in der
Binnenschiffahrt, das mit den bis dahin vielfach unklaren Verhältnissen
und den in einzelnen Gebieten abweichenden Bestimmungen aufräumte
und für alle Fälle eindeutige Entscheidung gibt. Neuerdings gehen die
Bestrebungen im Zusammenhang mit der Internationalisierung der
Wasserstraßen dahin, nach und nach ein gemeinsames europäisches
Binnenschiffahrtsrecht zu schaffen, Erwähnt sei in diesem Zusammenhang
auch die Errichtung von Schifferbörsen, die manchen Übelständen
im Frachtenwesen abhalfen, und ferner die Reichsstatistik der Binnenschiffahrt,
die durch ausführliche Veröffentlichungen über den Schiffsbestand,
insbesondere über den Verkehr auf den Wasserstraßen, den
Behörden wie den Schiffahrttreibenden eingehenden Aufschluß über
Die deutsche Wirtschalft.
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