Full text: Die deutsche Wirtschaft

388 Dr. Finkenwirth: 
dungen wurden mit Erfolg planmäßig durchgeprüft, um eine beschleu- 
nigte Beförderung der Eilgüter auf weite Entfernungen zu erreichen. 
So wird — und es ist zu hoffen, daß die Reichsbahn in diesem Be- 
streben fortfährt — eine bessere Ausnutzung der Fahrzeuge und des 
Personals erreicht und die Leistungsfähigkeit der Strecken erhöht. 
Hierin liegt eine prozentuale Verringerung der Ausgaben, ein unver- 
kennbarer wirtschaftlicher Vorteil, der sowohl dem Bahnunternehmen 
wie den Reisenden und Verfrachtern zugute kommt. 
Wenn man an diesen Beispielen sieht, welch großen finanziellen 
Vorteil die Einführung verbesserter Betriebsmittel und der Umbau ver- 
alteter Betriebsanlagen und die Schaffung leistungsfähiger neuerer Be- 
triebsanlagen hat, so muß man sich auf den Standpunkt stellen, daß die 
Zurückhaltung der Reichsbahngesellschaft bei der Neubestellung 
moderner Lokomotiven, Fahrzeuge und anderer Be- 
triebsmittel und das Zögern in der Vollendung angefan- 
gener Betriebsanlagen, gerade vom Standpunkt der Reichs- 
bahn aus, gar nicht verantwortet werden kann, und es ist dringend zu 
hoffen, daß die Politik der Reichsbahn in dieser Hinsicht sich ändert, 
Der Haupteinwand der Verwaltung — es sei unmöglich, die nötigen 
Mittel zu schaffen — ist nicht stichhaltig, Die Notwendigkeit der Ver- 
besserung der technischen Einrichtungen der Reichsbahn ist ein Grund 
mehr, die oben erörterten Anleihepläne in Angriff zu nehmen und zu 
lösen, Noch besitzt die Reichsbahn 2 Milliarden Mark Vor- 
zugsaktien im Portefeuille. Ihr Verkauf wird, wenn die Gesell- 
schaft Reingewinne erzielt, den Aufwand von mindestens 7 % Dividende 
zur Folge haben; der Besitz von Barmitteln ist für die Reichsbahn 
angesichts der obigen Darlegungen indessen viel wertvoller, Die ersten 
500 Millionen Mark des Verkaufserlöses müssen allerdings an das Reich 
zur Tilgung der Reparationsschuld des Jahres 1926 abgeliefert werden; 
bis zur Fälligkeit derselben könnte die Reichsbahn wahrscheinlich auch 
mit diesem Betrag wirtschaften; die restlichen 1% Milliarden Mark 
verbessern voll die Liguidität, der Gesellschaft. 
Gewiß wird der Verkauf der Vorzugsaktien mit einigen Schwierigkeiten 
verbunden sein, vor allem, da lediglich eine Abgabe in deutsche Hände 
zur Vermeidung der Überfremdungsgefahr und weil je 500 Millionen 
Mark Vorzugsaktienbesitz einen Sitz im Verwaltungsrat gewähren in 
Frage kommt. Die Flüssigmachung des Kapitals läßt sich aber bei 
richtigem Zusammenwirken mit unseren öffentlichen und privaten 
Banken, unter gewisser Beteiligung des Auslandes, durchführen, und 
angesichts der großen Bedeutung, die der Beschaffung neuer 
Betriebsmittel und der Vollendung Rentabilität versprechender 
Bauten für unseren Arbeitsmarkt und die Wirtschaftlichkeit
	        
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