Der Binnengroßhandel, 441
Gründen der zu erstrebenden Valutaverbesserung — hat gezeigt, daß
zahlreiche deutsche Industriezweige das Nichthereindringen des leben-
digen Hauches ausländischer Konkurrenzluft nur mit Mühe und Not
überwunden haben, weil sich nämlich zeigte, daß die Konkurrenzfähig-
keit der deutschen Produktionsbetriebe, die ehemals vorbildlich waren,
sehr stark nachgelassen hat, da die ausländischen Betriebe
in intensivster Weise durch freien Wettbewerb gezwungen waren, sich
den neuesten Forderungen der Technik und Arbeitsmethoden
anzupassen, Man kann also dem Handelniemalsden Vorwurf
machen, daß er die Hand dazu biete, ausländische Konkur-
renzfabrikate nach Deutschland hereinzubringen. Bei objektiver
Betrachtung der Sachlage drängt sich nämlich dem vorurteilsfreien Be-
obachter unwillkürlich die Frage auf, was denn die deutschen Industri-
ellen, denen am Export ihrer Fertigfabrikate mindestens ebensoviel
liegt als den regierungsseitigen Sachwaltern einer deutschen aktiven
Handelspolitik, dazu sagen würden, wenn dem ausländischen
Import oder Großhandel erschwert oder verboten würde, deutsche
Waren im Auslande einzuführen, Da die moderne Volkswirtschaft auf
eine intensive internationale Verflechtung der Wirt-
schaftsbeziehungen und auf einen Austausch aller
Güter — geistiger und materieller Art — hinzielt, so ist es unseres
Erachtens eine welt- und volkswirtschaftliche Unmöglichkeit und Un-
klugheit, einem bedeutenden Wirtschaftszweig einen Vorwurf daraus zu
machen, wenn er das freie Spiel der Konkurrenz ausnutzt, wo immer
sich die Gelegenheit hierzu bietet. Fortschritt und Höchst-
leistung können eben nur im freien Wettbewerb — sei
es beim Sport, sei es im Wirtschaftsleben — erzielt werden. Gerade
der Konsum, d, h, der letzte Verbraucher, hat von dieser Tendenz, die
dem Handel innewohnt, den größten Vorteil, denn gerade der freie
Wettbewerb ist die Haupttriebkraft billigster und
vollendetster Erzeugung, sie bildet den Hauptfaktor
zur Erzielung der Preiswürdigkeit der Ware.
Durch die wachsende Bedeutung der Industriekartelle ist eine be-
deutsame Funktion des Handels, nämlich der Preisausgleich bzw. die
Preisbildung, zurückgedrängt worden. Während sich früher auf dem
freien Markte die Preisbildung je nach Angebot und Nachfrage ent-
schied, übernimmt das Industriekartell die eine Hauptfunktion des
Handels, den Wertausgleich, wodurch dem Spekulativhandel der Boden
für seine Tätigkeit entzogen wird, da die dauernde Spekulation auf die
künftige Marktlage ein Ende nimmt. Auch der Effektivhandel verliert
einen erheblichen Teil seiner Stärke, die vor Bestehen eines Kartells
darin bestand, daß er je nach der Kauflust und Kaufkraft der Ver-