591) VUI. Der Untergang der mittelalterlichen Stadtwirtschaft
Landes zu Gunsten der städtischen Erwerbszweige (welche letztere
in Preußen durch die Agrarpolitik der Könige gemildert wird).
Abweichendes verbindet sich mit Gemeinsamem darin, daß
die mittelalterliche Stadt dem Zwischenhandel feindlich ist,
während der Merkantilismus diese Feindschaft mit ihr nur in-
sofern teilt, als er die Einfuhr von außen einzuschränken oder
gar zu verhindern sucht. Innerhalb des Territorinms stört er
dagegen den Zwischenhandel nicht. Er erkennt vielmehr jede
Art von Handel, die dazu dient, den Geldvorrat im Land zu
vermehren, an und befördert ihn. In der Industrieförderung
ferner zeigt sich ebenso Gemeinsames und Trennendes. Wir ken-
nen die Fürsorge, die die mittelalterliche Stadt und die Zunft
selbst der gewerblichen Arbeit in beträchtlichem Umfang gerade
auch von dem Gessichtspunkt aus widmete, damit dem erfolg-
reichen Absaß der Waren nach außen Rechnung zu tragen (S. 273).
Aber die Steigerung der Ausfuhr fand Grenzen an dem Bestreben,
in erster Linie die Bedürfnisse der heimischen Bürgerschaft zu
berücksichtigen, und an dem Grundsatz, Großbetriebe nicht auf-
kommen zu lassen, vielmehr das mittlere und kleine Gewerbe
zu begünstigen. Dagegen proklamiert der Merkantilismus die
Indusstrieförderung ganz rücksichtslos und eben unter Preisgabe
der mittlern und kleinen Betriebe. Fast gegensätzlich wird das
Verhältnis von Merkantilismus und Stadtwirtschaft in der ver-
schiedenen Stellung zur Rohstoffeinfuhr. Wenn die Stadt Wert
darauf legt, ein abhängiges Land zu haben, welches ihr dienendes
Glied sein soll, so reicht doch, abgesehen von den kleinsten Ge-
meinden, dieser eigene Bezirk nie aus, um den erforderlichen
Rohstoff zu liefern, sei es für die tägliche Nahrung oder gar für
die gewerbliche Fabrikation. Deshalb hat die Stadt keine Ver-
anlassung, die Rohstoffeinfuhr zu hindern; sie wünscht sie viel-
mehr?). Anders der Merkantilismus. Da ssein Gebiet das große
territoriale Staatsgebiet ist, so liegt von vornherein die Mög-
lichkeit vor, daß er sich selbst mit dem nötigen Rohstoff versorgen
1) Abgesehen wiederum von einigen der kleinsten Stadtgemein-
den, in denen etwa die Weinproduktion so groß ist, daß man aus-
wärtige Konkurrenz fürchtet.
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