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Bier und seine Rohstoffe.
Zweckmäßig erweist es sich oft, hei diesem wie bei dem weiter unten be
schriebenen Verfahren die Kulturhefe zum größeren Teil aus der Hefenprobe durch
Austrocknen auszumerzen. Sie stirbt leichter ab als die wilden Hefen, die dann
bei der Kultur auf dem Deckglase schneller hervortreten.
b) Die Untersuchung mittels der Sporenbildung. Um die gefährlichen
Saccharomyces-Arten in der Hefe anzureichern, empfiehlt Will bei Anstellhefe eine
größere Menge in Würze bei 25° 24 Stunden zu belassen, dann von der trüben
Würze einige Kubikzentimeter in frische Würze zu überführen und dieses noch
zweimal zu wiederholen. Dadurch wird das Wachstum der wilden Hefe, die gegen
Schluß der Gärung noch in der Würze suspendiert ist, begünstigt. Bei Hefe aus
Eeinzuchtapparaten läßt Will eine größere Menge in einer mit 4 °/ 0 Weinsäure ver
setzten Rohrzuckerlösung 48 Stunden bei 25 0 gären und bringt den Bodensatz dann
in Würze zur Gärung. Die wilden Hefen vermehren sich in der weinsauren Lösung
stärker als die Kulturhefen.
In beiden Fällen wird der an wilden Hefen angereicherte Bodensatz der
Würzegärungen zur Prüfung der Sporenbildung auf eine poröse, mäßig feuchte
Unterlage gebracht und reichlich gelüftet. Man verwendet zu diesem Zweck meist
Gipsblöcke, die durch Eingießen eines Gipsbreies aus gleichen Teilen gebranntem
Gips und Wasser in runde, flache, vernickelte Blechformen hergestellt werden. Zur
Sterilisation werden die Blöcke eine halbe Stunde in kochendes Wasser gelegt.
Die zu untersuchende Hefe muß möglichst frei von Würze sein und dünn auf
getragen werden. Ist die Oberfläche des Gipsblockes groß genug, so können gleich
zeitig mehrere Proben untersucht werden. Der Gipsblock wird in ein sterilisiertes
Deckelschälchen mit aufgekochtem Wasser gelegt und das Ganze in einer großen
Kammer mit feuchtem Fließpapier im Thermostaten bei 25° aufgestellt (Fig. 283).
Zur Feststellung von Bakterien in der Hefe muß in diesem Falle die mikro
skopische Untersuchung hinzugezogen werden. Um besonders Pediokokken (Sarcina)
nachzuweisen, läßt Claussen 10 ccm 1 / 2 °/ 0 -ige Fluorwasserstoffsäure auf 2—3 g
Hefe eine halbe Stunde einwirken und gibt dann 2—3 Tropfen in Würzegelatine.
Die Hefe wird bei diesem Verfahren getötet und man kann so noch sehr geringe
Mengen Pediokokken nachweisen. Doch erhält man ein Ergebnis erst in 2—3 Wochen.
Die biologische Untersuchung von Hefe erfordert ein größeres Wissen und
praktische Erfahrung in der Hefenkunde. Sie wird daher am besten in den eigens
dazu eingerichteten Laboratorien für Gärungsgewerbe vorgenommen werden. Be
treffs weiterer Angaben sei auf P. Lindner, Mikroskopische Betriebskontrolle in
den Gärungsgewerben, 4. Auflage, Berlin 1905, verwiesen.
4. Die biologische Untersuchung der Preßhefe. Die in der Bäckerei zum
Treiben verwendeten Hefen sind obergärige Hefen der Gattung Saccharomyces.
Zuweilen werden sie mit untergäriger Hefe verfälscht. Ihr Wert wird durch ihre
Gärkraft bedingt.
a) Untersuchung der Preßhefe auf untergärige Hefe nach Lindner.
Zur Anwendung gelangen auch hier Tröpfchen- und Adhäsionskulturen, in denen die
obergärigen Preßhefen in sperrigen Sproß verbänden (Fig. 284—287) wachsen, die
ziemlich leicht zerfallen, ohne daß die Zellen wie bei der untergärigen Hefe verkleben.
Auf der letzteren Eigenschaft beruht auch die Lindnersche Prüfung mittels der
Tropfenkultur. Bei dieser wird die Hefe in Würze fein verteilt und mittels einer
sterilen Pipette auf beiden Hälften einer Petri-Schale eine größere Zahl von Tropfen
angelegt, deren jeder höchstens eine Zelle enthalten soll (Fig. 288). Die Schale
wird durch einen Gummiring luftdicht geschlossen. Schüttelt man eine solche Tropfen-