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straße die konstituierende Delegiertenversammlung statt. Leopold Liep-
mann hielt das einleitende Referat, das in großen Amrissen die geschicht
liche Entwicklung der Organisation der Sozialdemokratie Berlins vorführte
und die Gründe für die geplante neue Form auseinandersetzte. Dann folgte
die Beratung des Statutenentwurfs, dessen einzelne Paragraphen meist
ohne Widerspruch angenommen wurden. Nur bei einigen wenigen Punkten,
wie z. B. bei dem Satz, der von der Lerausgabe eines Mitteilungsblattes
des Verbandes handelt, wurden Einwände erhoben, die aber von der
großen Mehrheit der Delegierten nicht für triftig erachtet wurden, und nach
erledigter Einzelberatung ward das Statut als Ganzes einstimmig ange
nommen. Einstimmig wurden bei der Wahl der ersten Beamten Eugen
Ernst zum ersten Vorsitzenden, Leopold Liepmann zum ersten Schrift
führer und mit Mehrheit Emil Böske zum ersten Kassierer gewählt.
Dann richtete nach erfolgter Konstituierung des Vorstandes Paul Singer
im Namen des Parteivorstandes der deutschen Sozialdemokratie eine An
sprache an die Anwesenden, die ihnen seinen und seiner Kollegen warm
empfundenen Glückwunsch zu der geschaffenen Organisation ausdrückte. —
Mit einem stürmischen Loch auf die Partei und den Verband und dem
Absingen der Arbeitermarseillaise schloß diese bedeutungsvolle Konferenz
der Sozialdemokratie Berlins. Sie hat ein Verfassungswerk zum Abschluß
gebracht, durch welches die organisatorische Leistungsfähigkeit und Schlag
fertigkeit der Partei in der Reichshauptstadt auf eine bis dahin unerreichte
Löhe gesteigert werden konnte.