Die Bedeutung des Distributionsproblems. Die Fragestellung 125
bedingten sozialen Vorgänge der Produktion verwechselt oder
vermischt und sind infolgedessen zu einem Kapitalbegriff gelangt,
der in der wirklichen nationalökonomischen Welt gar nicht
seinesgleichen hat*.‘“/ Doch auch Rodbertus selbst ließ sich, im
Gegensatz zum einheitlichen und konsequenten Marxschen Ge-
sichtspunkt, ein bequemes Schlupfloch, indem er den „logischen“
Kapitalbegriff heraussonderte, als eine Kategorie, die allen Wirt-
schaftsformen eigen sein soll; indessen ist das vom Standpunkte
der Terminologie aus gänzlich überflüssig (für den betref-
fenden Begriff gibt es den Ausdruck: „Produktionsmittel‘‘) und
dem Wesen nach schädlich, denn es führt nicht selten da-
zu, daß unter dem Deckmantel der unschuldigen Erörterungen
über die Produktionsmittel („Kapital‘) die Lösung von :so-
zialen Problemen ganz anderer Art durchgeschmuggelt wird.
Also, haben wir uns einmal die Aufgabe gestellt, das Wesen
der Verteilung in der modernen Gesellschaft zu untersuchen,
so werden! wir nur dann zum Ziele kommen, wenn wir dabei
die Besonderheiten des Kapitalismus nicht aus dem Auge ver-
lieren. Das hat Marx in geradezu glänzender Weise in folgendem
Satze kurz zusammengefaßt: ‚,,Wie das Kapital, so sind Lohn-
arbeit und Grundeigentum geschichtlich bestimmte gesellschaft-
liche Formen; die eine der Arbeit, das andere des monopolisier-
ten Erdballs, und zwar sind sie beide, dem Kapital entsprechende
und derselben ökonomischen Gesellschaftsformation angehörende
Formen‘.“
In seiner Profittheorie folgt Böhm-Bawerk, wie dies schon
aus der Untersuchung seiner Werttheorie zu erwarten war, ganz
und gar jenen Oekonomen, die es für angebracht halten, den
Profit nicht etwa von den historischen, sondern von den allge-
meinen Bedingungen der gesellschaftlichen Produktion „ab-
zuleiten‘“. Damit allein schon wäre im Grunde genommen das
Urteil über seine „neuen Bahnen“‘ gefällt’; denn von allen Oeko-
nomen, die den Profit, die Grundrente und den Arbeitslohn nicht
als historische, sondern als „logische‘‘ Kategorien betrachten,
gilt das Wort, daß sie vom „richtigen Wege abkamen‘‘“. Wohin
5 C. Rodbertus: „Das Kapital‘, S. 230.
$ Karl Marx: Kapital‘, Bd. 11,2. Teil, S. 350.
Ad Ueber seine Theorie sagt Böhm-Bawerk: „Während ich in den übrigen
Teilen dieses Werkes (d. h. des „Kapitals“. N. B.) wenigstens im großen und
ganzen den Spuren der bisherigen Theorie zu folgen in der Lage war, habe
ich für die Erscheinung des Kapitalzinses eine Erklärung vorzutragen, die sich
in vollständig neuen Bahnen bewegt.“ „Positive Theorie‘, 1. Halbband, S. XVIII.
3 Schaposchnikow 1. c, S. 81. Schaposchnikow stellt die Frage richtig,
doch gerät er sofort auf eklektische Abwege. „Obgleich wir — schreibt er —