Der Kapitalbegriff, „Kapital“ und „Profit“ im „Sozialistischen“ Staat 129
ordnung auszuscheiden? Nehmen wir an, — wenn auch eine der-
artige Annahme im Grunde widersinnig ist —, daß es auch im
„Sozialistischen Staat‘ Profit gibt; in diesem Falle würde jedoch
der „Profit‘ in die Hände der gesamten Gesellschaft fallen,
während er in der modernen Wirtschaftsordnung einer einzigen
Klasse zufällt. Dieser Unterschied ist mehr als wesentlich. Trotz
dem fehlt bei. Böhm-Bawerk ein Terminus für den „Jetzigen‘‘
Profit. Doch sehen wir, wie streng Böhm-Bawerk seine Gegner
beurteilt und wie er sie gerade darin kritisiert, worin er selber
fehlt. In seiner Kritik gegen die Anwendung des Kapitalbegriffs
auf Grund und Boden, bei der er sich auf das Prinzip der „ter-
minologischen Oekonomie“ beruft, sagt er: „Wenden wir näm-
lich den Namen Kapital allen sachlichen Erwerbsmitteln zu,
so bleibt der engere der konkurierenden Begriffe und auch der
mit ihm korrespondierende Einkommenszweig trotz ihrer Wich-
tigkeit ganz namenslos*!*.“ Und doch ist es klar, daß der Unter-
schied zwischen „Profit“ im sozialistischen Staate, der das Fehlen
von Klassen voraussetzt, und dem jetzigen „Profit‘ viel größer
und wichtiger ist als der Unterschied zwischen Profit und Rente:
im ersten Falle handelt es sich um den Unterschied zwischen
einer Klassengesellschaft und einer klassenlosen Gesellschaft, im
zweiten nur um den Unterschied zwischen zwei Klassen ein und
derselben Gesellschaft, die im Grunde genommen nur einer
Klassenkategorie angehören, nämlich der der Besitzer und Eigen-
tümer.
Die Widersinnigkeit der Böhmschen Terminologie vergrößert
sich noch durch den Umstand, daß seinem Begriff der „Un -
kapitalistischen“ Produktion in der Wirklichkeit keine
einzige reale wirtschaftliche Tatsache entspricht: Die Produktion
mit „der nackten Faust“ ist eine der zahlreichen Fiktionen
Böhm-Bawerks. Umgekehrt ist der Wilde, der mit dem Stock im
Boden herumstochert, in einen „Kapitalisten verwandelt, der eine
„Kkapitalistische“ Wirtschaft führt und sogar“ Profit‘ ein:-
heimst! ... Doch wenn je de Produktion (da es Produktion ohne
Produktionsmittel nicht gibt) „kapitalistisch‘ sein soll, so
müssen doch im Rahmen dieser „kapitalistischen‘‘ Produktion
Unterschiede gemacht werden, denn es ist doch — gleich viel
wie — notwendig, die „kapitalistische“ kapitalistische
Produktionsweise, die „kapitalistische‘“ sozialistische ‚ die
„kapitalistische“ urkommunisti Sche Produktionsweise
usw. voneinander zu unterscheiden. Bei Böhm-Bawerk finden wir
4.1b.18. 87.