Argentinien.
keit vom Auslande ausgehen müßte. Eine leistungsfähige
Mittelschicht von Steuerzahlern kommt bei dem jetzigen
System nie zustande.
Eine wichtige Quelle der Staatseinnahmen müßten allmählich
die direkten Steuern bilden), die bewegliche und
unbewegliche Güter besteuern, da es nicht mehr als gerecht
ist, wenn diejenigen, die durch Nichtstun ein Vermögen erwerben
und „reich werden, weil das Weideland wächst und
die Kühe kalben“, mehr zu den Öffentlichen Einnahmen beitragen
als die Armen, auf denen in Wirklichkeit der größte
Teil der Staatseinnahmen lastet. Bei direkten Steuern könnten
die Provinzen, die jetzt von der Bundesregierung mit
Zuschüssen versehen werden müssen, Matrikularbeiträge an
den Bund abführen, die Einfuhrzölle könnten herabgesetzt
werden und die Kosten des täglichen Lebens würden in demselben
Verhältnis sinken. Und eine andere Ausnutzung der
Steuerquellen des Staates ist dringend notwendig, wenn man
bedenkt, daß die fünf Millionen Einwohner Argentiniens —
höher kann man die Bevölkerung für die Besteuerung nicht
in Rechnung bringen — mit 42 P. = 92 Fr. pro Kopf belastet
sind °).
Das ganze Finanzwesen des Landes bedarf dringend
einer Reform, die zu besprechen über den Rahmen dieser
Betrachtung hinausgeht. Freilich wird, solange die mächtigen
Fabrikanten in der Kammer die Mehrheit haben, an eine
solche Reform nicht zu denken sein, und damit ist auch für
eine wirkliche Entwickelung der Fabrikindustrie noch keine
Aussicht vorhanden, denn diese kann nur auf einer kaufkräftigen
Bevölkerung beruhen, die unter den jetzt herrschenden
Zuständen sich nicht bilden kann.
Das hier ausgesprochene’ abfällige Urteil über das argentinische
Schutzzollsystem und die unter dessen Schutz
stehende Industrie bedarf in einem Punkte noch einer Erläuterung.
Aus der Zusammenstellung Seite 161 geht hervor,
daß es der heimischen Industrie zu danken ist, wenn die
Summe von 269 Mill. P. G. im Lande geblieben und nicht
in das Ausland für dessen Industrieerzeugnisse abgeflossen
ist. Das wäre gewiß volkswirtschaftlich eine sehr erfreuliche
Tatsache, wenn nämlich die auf ‚argentinischem Boden
arbeitende Industrie eine wirklich nationale wäre. Daß sie
1) Vgl. Latzina S: 611/12,
2) Vgl. L’Argentine au XX. siecle, S. 296 u. f.
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