73
Soweit sich die deutschen Plätze, in denen sich in jüngster
Zeit eine Zigarettenindustrie entwickelt hat, als Lehrmeister nicht
direkt aus Rußland Arbeiter kommen ließen, suchten sie Dresdener
Arbeiterinnen heranzuziehen. So wurden früher oft und werden
zum Teil auch noch jetzt in Dresdener Zeitungen Arbeiterinnen
nach auswärts verlangt, um dort die Zigarettenfabrikation einzu
führen. Eine größere Anzahl solcher Arbeiterinnen aus ihrer Hei
matstadt wegzuziehen, hat aber immer seine Schwierigkeit, weil
Frauen zum Verlassen ihrer Heimat gewöhnlich nur schwer zu
bewegen sind. So ist es auch allein der leichteren Beweg
lichkeit des männlichen Geschlechtes zuzuschreiben, daß
aus Rußland in der Hauptsache immer gerade männliche Per
sonen nach Deutschland kamen, um sich hier als Zigarettenmacher
zu betätigen, obwohl doch in jenem Lande bedeutend mehr Frauen
als Männer in der Zigarettenindustrie tätig sind.
Ein fester, schon längere Zeit bestehender, örtlicher Arbeiter
stamm findet sich außer in Dresden überhaupt nur noch in den
ostdeutschen Industrieorten, in denen die Zigarettenfabrikation
auch schon lange einheimisch ist.
Von den deutschen Zigarettenarbeiterinnen sind etwa zwei
Drittel ledigen Standes. Unter den übrigen befinden sich neben
verwitweten, geschiedenen und eheverlassenen auch viele ver
heiratete Frauen. Von letzteren machten 122 auf den Fragebogen
Angaben über den Beruf des Mannes. Es bezeichneten als
solchen: siebzehn: Maurer, sechzehn: Arbeiter, sechs: Maler, je
fünf: Fabrikarbeiter, Schlosser, je vier: Zimmermann, Schuhmacher,
je drei: Zigarettenmacher, Kaufmann, Markthelfer, je zwei: Bahn
arbeiter, Glasschleifer, Heizer, Klempner, Maschinist, Metallarbeiter,
Musiker, Ratsarbeiter, Tiefbauarbeiter, je eine: Brauereiarbeiter,
Buchdrucker, Bohrer, Drechsler, Eisendreher, Former, Fleischer,
Fabrikportier, Gärtner, Kesselreiniger, Kutscher, Kohlenträger, Lager-
gehilfe, Laternenwärter, Maschinenbauer, Maschinenschlosser, Me
chaniker, Möbelpolierer, Metallschläger, Ofensetzer, Polierer, Preß-
vergolder, Postbeamter, Papierschneider, Packer, Schraubendreher,
Stanzer, Schmied, Schneider, Sattler, Steinschleifer, Tischler, Tier
wärter, Tapezierer, Tabakarbeiter, Vergolder, Werkführer, Zigarren
macher.
Es ist durchaus kein Zufall, daß die Gatten einer besonders
großen Anzahl von Zigarettenarbeiterinnen gerade Maurer, Maler,
oder Zimmerleute sind. Vielmehr ist es gerade dem Saison
charakter, der allen diesen Berufen in mehr oder minder großem