Diesen Preis bezeichnen wir als den natürlichen
Preis der Arbeit, weil er den Gesetzen des freien und
unbeeinflußten ökonomischen Kräftespieles entspricht
und so im Gegensatze steht zu Preisen, die von organi-
sierten Marktinteressenten künstlich und bewußt
herbeigeführt werden (beispielsweise Monopolpreise auf dem
Warenmarkt, Lohnsätze auf Grund Kollektivvertrages u. s. £.).
Es sei aber ausdrücklich hervorgehoben, daß mit dieser
Bezeichnung keinerlei Werturteil verbunden sein soll, wie
etwa die Meinung, daß dieser Preis irgend ein Gerechtig-
keitsprinzip verwirklichen helfe, oder daß er naturgesetzlich
sei im Sinne einer Anpassung an eine höhere Naturordnuns.
Von einem ordre naturel soll hier nicht die Rede sein, der
Fehler der Physiokraten liegt uns ferne. Dieser von uns der
Einfachheit halber so bezeichnete natürliche Preis kann viel-
mehr, wenn es sich etwa wie hier um den Preis der Arbeit,
also den Arbeitslohn handelt, aus sehr gewichtigen sozial-
politischen, bevölkerungspolitischen, kulturpolitischen, auch
wirtschaftspolitischen etz. Gründen gegebenen Falles als recht
ungesund und verderblich zu bezeichnen sein. Häufig genug
ist es gerade Aufgabe der in der Kulturentwicklung stehenden
Menschheit, den Ablauf von sogenannten Naturgesetzlich-
keiten zu beeinflußen und zu variieren, um deren Folgen
der menschlichen ratio gemäß günstig oder günstiger zu
gestalten. Das gilt für den Bereich der Geisteswissenschaften
in ähnlicher Weise wie für das Gebiet der Naturwissen-
schaften. Aber Eines ist sicher! Wie wir sehen konnten,
spiegelt dieser Preis das tatsächliche, gegebenenfalls vielleicht
grausame Kräfteverhältnis der ökonomischen Größen in der
Wirtschaft wieder. In unserer Annahme z. B. ist bei den
oben als gegeben angenommenen sonstigen wirtschaftlichen
Verhältnissen bei einem Arbeitsangebot von O der Lohnsatz
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allein jener, zu dem der letzte Rest der angebotenen
Arbeitsmenge von der Wirtschaft völlig aufgenommen und
Arbeitslosigkeit vermieden werden kann.
Nun haben wir es aber in der modernen Wirtschaft so
gut wie überhaupt nicht mehr mit freier Preisbildung auf
dem Arbeitsmarkte zu tun. Arbeitnehmer und Arbeitgeber
sind heute organisiert und die Höhe des "Arbeitslohnes ist
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