daß sie in ihm schließlich den Retter ihres Sohnes und des Vaterlandes
sah *).
2. Mit einer starken Suggestibilität verband Rasputin —
zum mindesten anfangs — den Hang zum Mysstizismus und
Prophetentum, der erfahrungsgemäß auf die einfacher organisierten
Schichten des Volkes ebenso wie auf einen Teil der Überkultivierten
wirkt. Er heilte, weissagte, predigte und bekehrte
nicht allein, sondern trug Kopfhaar, Bart und Kleidung der
Christusjünger, wirkte also auch äußerlich stark auf das Volk. So
mußte er Anhänger finden bei denen, die nur glauben, ohne überhaupt
je nachzudenken, und weiterhin bei denen, die den Kultus
solcher Wunderheiligen der Sensation wegen betreiben. So sind
seine Erfolge bei dem sibirischen Landvolk einerseits, in den
Petersburger Salons andererseits zu erklären.
Die Überkultivierten sahen in ihm während seiner Petersburger
Zeit daneben wohl auch mit besonderem Vergnügen den
Naturburschen. Weil er das offenbar rasch merkte, darum trug er
in den Salons und im Verkehr mit den Mitgliedern der Hofgesellschaft
sein Bauernkostüm.
3. Schließlich hatte er ständig eine Anzahl bedingungsloser
Anhängerinnen durch seine abnorme Sexualität. Ungewöhnlich
finnlich soll er immer gewesen sein.
Vom Beginn seiner Laufbahn an versammelte er eine Anzahl
geistiger „Schwestern“ und „Brüder“ um sich. Alle mußten
mit ihm beten. In den Gebetspausen umarmten sie sich, bis
*) Die Sammlung des Materials über R. ist außerordentlich schwer. Ich
stütze mich auf : Schiemann, Jahrb. der Hohen Politik. Verschiedene Artikel im
Tag und in der Kreuzztg. vom 17. 1. 1917. Letzterer stammt von Herrn Prof.
Hoetzsch-Berlin, der mich freundlichst auf einige Quellen hinwies. Gelesen habe
ich auch Lensty und Feh-Pahlen: Rasputin, Berlin Rudolk Mossse und den
Roman Rasputin von Heimann.
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