Object: Bevölkerungslehre

272 Zweiter systematisch-theoretischer Teil 
auf das folgende Bild des möglichen Bevölkerungszuwachses, Es 
treffen. auf je 1000 Personen der Gesamtbevölkerung: 
Bei je Geborene Gestorbene Natürl. Zuwachs Verdoppelungsperiode 
3 Geburten auf Tausend der Bevölkerung 
für eine Frau 
bei 4 
N 
yo 
5 
4 > 
26 1y 
8 20 
139 Jahre 
69,6 ” 
43:3 » 
35 
al 
RR 
Der von Malthus zugrunde gelegte Fall, daß auf eine Ehe 
4 Kinder kommen, führt also nach den Berechnungen Rümelins 
nicht zu einer Verdoppelung der Volkszahl in 25, sondern erst nach 
139 Jahren. Dabei handelt es sich auch nur um eine Tendenz, der 
techt wohl andere Kräfte entgegenwirken können und werden. Das 
wird wohl in um so höherem Maße der Fall sein können, je mehr 
die Bevölkerung absolut zunimmt und sich dabei wirtschaftliche 
Schwierigkeiten ergeben. Schon Quetelet, der gern seine Ge- 
danken in eine strenge mathematische Form zu kleiden suchte, hat dazu 
gemeint: „Die Bevölkerung strebt, in einer geometrischen Progression 
zuzunehmen. Der Widerstand oder die Summe der Hemmnisse 
ihrer Entwicklung verhält sich unter übrigens gleichen Umständen 
wie das Quadrat der Schnelligkeit, mit welcher die Bevölkerung zu 
wachsen strebt“!). Wenn man auch diese strenge Formulierung 
ablehnen muß, so hat Quetelet doch darin Recht, daß mit 
wachsender Bevölkerung Faktoren eintreten können, die dahin wirk- 
sam sein werden, ein schwächeres Volkswachstum herbeizuführen. 
Wenn man nun diesen Möglichkeiten gegenüber das Volks- 
wachstum in neuerer Zeit, in der wir es im Gegensatz zu älteren 
Perioden allein in statistisch einwandfreier Weise erfassen können, 
betrachtet, so sieht man zunächst, daß die Volkszunahme in den 
letzten Dezennien durchaus progressiv gewesen ist. Es betrug 
die Bevölkerung Europas um die Jahre 
1800 188 1850 266 1890 363 
:810 198 1860 283 1900 401 
1820 213 1870 305 1910 448 
:830 234 1880 332 1925 505 
1840 251 
Die Bevölkerung Europas nahm, auf den Jahresdurchschnitt be- 
rechnet, zu in Millionen in den folgenden Perioden: 
3” Quetelet, Über d. Menschen u. d. Entwicklung seiner Fähigkeiten, Deutsch 
1838, S. 290.
	        
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