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Einleitung.
Phantasie der Mathematik und der Wissenschaft gewichen. Bei
aller Freiheit und Weite des Blickes indessen, die sich damit auf-
tat, sind doch alle bisherigen Phasen durch eine gemeinsame
Schranke charakterisiert und gebunden. Sie alle verwandeln die
Inhalte des Seins in Inhalte des Gedankens; aber ihr Augenmerk
ist dabei einzig auf das Produkt, nicht auf den Prozess dieser
Umbildung gerichtet. Die Funktion des reinen Begriffsdenkens
verbirgt sich noch durchweg hinter ihren Ergebnissen und kommt
nicht zu gesonderter, bewusster Bestimmung. Diese Funktion zum
eigentlichen und ursprünglichen Objekt gemacht und sie in das
Zentrum aller philosophischen Betrachtung gestellt zu haben: dies
ist es, was den unvergleichlichen und ewigen Wert der Platoni-
schen Ideenlehre ausmacht. —
Man hat gegen die Platonische Philosophie hie und da ein-
gewandt, dass sie kein eigentlich neues wissenschaftliches „Prin-
zip“ in die Betrachtung eingeführt, sondern nur den Inhalt der
vorangegangenen zusammengefasst und zur systematischen Einheit
verknüpft habe, und hat hieraus den Schluss gezogen, dass schon
hier die ursprüngliche spekulative Grundkraft des griechischen
Geistes allmählich zu versiegen beginne. In der Tat ist es kein
neuer materialer Gehalt, kein einzelner wissenschaftlicher Er-
klärungsgrund, der in der Ideenlehre zur Auszeichnung käme.
[hr ganzer Sinn und ihre ganze Originalität liegt in der neuen
Beleuchtung, in die sie das Gesamtgebiet des Wissens rückt.
Ihre geschichtliche Grösse erweist sich darin, dass sie die Kräfte,
von denen der gesamte bisherige Gedankenprozess unbewusst ge-
trieben wurde, durchschaut und ans Licht stellt. So führt sie,
indem sie den Fortgang des synthetischen Aufbaus scheinbar
abbricht, nur umso tiefer in sein eigentliches Fundament zurück.
In diesem Zuge erscheint Platon als echter Sokratiker, der,
wenn er dem Schatze der Prinzipien keinen neuen Grundsatz hin-
zufügt, eben in diesem fruchtbaren „Nichtwissen“ zum Urheber
der philosophischen Selbstbesinnung wird. Und wie Sokrates
vom Selbstbewusstsein seinen Ausgang nahm, nicht um sich in
die Geheimnisse und Tiefen des individuellen Seelenlebens zu ver-
tiefen, sondern um das objektive Gesetz des Sittlichen zu ent-
decken, So richtet Platon die Frage nur darum auf die Tätigkeit des
Erkennens, um den dauernden und sicheren Inhalt. der sich aus