Full text: Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Milch und Molkerei-Erzeugnisse 
riickstand mit 2 Tropfen 50 °/ 0 -iger Ameisensäure mischen, mit Kalkmilch tiber 
sättigen, eintrocknen und den Rückstand in einem einseitig geschlossenen Rohre 
vorsichtig erhitzen. Bei Gegenwart von Benzoesäure macht sich ein deutlicher 
Geruch nach Bittermandelöl bemerkbar, auch wenn Salizylsäure zugegen ist. 
d) Borsäure. Der qualitative Nachweis der Borsäure geschieht nach 
E. Meißl 1 2 ) wie folgt: 100 ccm Milch werden mit Kalkmilch oder Soda alkalisch 
gemacht, eingedampft und verascht. Die Asche wird in möglichst wenig konzentrierter 
Salzsäure gelöst, die Lösung von der Kohle abfiltriert und das wieder alkalisch 
gemachte Filtrat zur Trockne eingedampft; hierauf befeuchtet man den Rückstand 
' mit stark verdünnter Salzsäure, durchtränkt den Kristallbrei mit Kurkumatinktur 
und trocknet auf dem Wasserbade ein. Bei Gegenwart der geringsten Spur Borsäure 
erscheint der Rückstand deutlich Zinnober- bis kirschrot. (Eine etwa durch kon 
zentrierte Salzsäure entstehende kirschrote Färbung des Kurkumafarbstoffes ver 
schwindet auf Wasserzusatz sofort.) Die mit Kurkuma geprüfte Asche kann noch 
zur Flammenreaktion benutzt werden, indem man mit Methylalkohol versetzt, in einem 
Kölbchen mit doppelt durchbohrtem Pfropfen mit Zu- und Ableitungsrohr Wasser 
stoff durchleitet und diesen anzündet. 
Ebenso zweckmäßig dürfte es sein, die mit Soda hergestellte Asche in möglichst 
wenig Salzsäure zu lösen, mit der filtrierten salzsauren Lösung einen Streifen Kurkuma 
papier zu befeuchten und diesen auf einem Uhrglase zu trocknen. Färbt sich hierbei 
die benetzt gewesene Stelle des Kurkumapapieres deutlich rot und geht diese Farbe 
beim Befeuchten des Papieres mit Ammoniak oder Natriumkarbonat in Blauschwarz 
Uber, so ist Borsäure in der Milch vorhanden. 
Nach E. H. Jenkins 3 ) kann der Nachweis sogar in der Weise erfolgen, daß 
man 10 ccm Milch mit 7 Tropfen Salzsäure versetzt, einen Streifen empfindlichen 
Kurkumapapieres mit der filtrierten Flüssigkeit befeuchtet und auf einem Uhrglase 
auf dem Wasserbade trocknet. 
Die quantitative Bestimmung der Borsäure geschieht am einfachsten 
nach dem Verfahren von Jörgensen. 8 ) Dieses Verfahren beruht auf der 
zuerst von J. Klein beobachteten Erscheinung, daß eine gegen Phenolphthalein 
neutralisierte wässerige Borsäurelösung nach dem Zusatz einer hinreichenden Menge 
von neutralem Glyzerin oder besser Mannit 4 * ) wieder saure Reaktion annimmt und 
daß nun durch abermalige Titration mit Alkalilauge der Gehalt an Borsäure 
bestimmt werden kann, wenn gleichzeitig der Wirkungswert der Lauge durch 
Titration einer Borsäurelösung von bekanntem Gehalt unter möglichst gleichen 
Mengen- und Konzentrationsverhältnissen festgestellt worden ist. Man verfährt 
wie folgt: 100—200 ccm Milch werden bis zur stark alkalischen Reaktion (gegen 
Lakmus) mit konzentrierter Natronlauge versetzt, in einer Platinschale zur Trockne 
verdampft, darauf verascht und die Asche mit Schwefelsäure aufgenommen. Die 
erhaltene Lösung wird in einen 200 ccm-Kolben gebracht, zur Austreibung der etwa 
noch in Lösung befindlichen Kohlensäure kurze Zeit gelinde erwärmt und nach dem 
Abkühlen unter Verwendung von Phenolphthalein als Indikator mit kohlensäurefreier 
1 ) Zeitschr. f. analyt. Chem. 1882, 21, 531. 
2 ) Bericht der Landw. Versuchs-Station Connecticut 1901,106; Zeitschr. f. Untersuchung 
d. Nahrungs- u. Genußmittel 1902, 5, 866. 
3 ) Zeitsohr. f. angew. Chem. 1897, 5. — Vergl. hierzu A. Beythien und H. Hempel, 
Über die Genauigkeit des Jörgensensohen Verfahrens zur Bestimmung der Borsäure in 
Fleisohdauerwaren (Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- und Genußmittel 1899, 2. 842). 
4 ) Vergl. K. Windisch, Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- und Genußmittel 
1905, 9, 641.
	        
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