Object: Neuere Zeit (Abt. 2)

716 Einundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
eine Staatsbank schlechte Erfahrungen, fiel bald der Kapital— 
besorgung durch private Banken, namentlich die Wiener Stadt⸗ 
bank, und schließlich gar durch Einzelpersonen, die ausliehen, 
anheim: und stand am Ende vor nicht viel weniger als dem 
Bankrotte. Schon 1736 hatte man eine Reichsschuld von 
über 100 Millionen berechnet, 1739 war es so weit gekommen, 
daß man keine Pfandobjekte mehr fand: „es gab nicht zwanzig 
Personen im Reiche, die 20000 Gulden ohne Beschwerde auf— 
bringen konnten“: und nur durch faft übermenschliche An— 
strengungen maskierte Starhemberg den Zusammenbruch. 
Diese Entwicklung mußte natürlich auch auf das Heer— 
wesen einwirken. Im Jahre 1718 waren die Bedürfnisse fur 
die Armee im Friedensstand auf 28 Millionen Gulden jährlich 
berechnet worden; dafür war ein Sollbestand von 58 Infanterie⸗, 
22 Kürassier-, 17 Dragoner- und 5 Husarenregimentern, dazu 
eine artilleristische Spezialtruppe zu erhalten. Es war gewiß 
ein stattliches Heer, das größte nach dem des Königs von 
Frankreich. Aber war mit 28 Millionen nicht schon die Trag⸗ 
fähigkeit des Budgets bei weitem überschritten? Bis zum 
Tode Karls VI. hat kaum eine Vermehrung des Sollbestandes 
stattgefunden, und hielt sich der Istbestand beträchtlich unter 
diesem, so war er mit über 100000 Mann und 30000 Pferden 
doch noch immer so groß, daß er einen finanziell zerrütteten 
Staat vollends ruinieren und damit sich selbst schließlich 
aufheben mußte. Nun ließ sich für den Fall eines großen 
militärischen Engagements freilich entgegnen, daß Hsterreich 
über höchst kriegerische Völker und vortreffliche Werbegebiete 
im Reiche und darüber hinaus, vornehmlich auch in Ungarn 
verfüge: für den Kriegsfall war daher seine kriegerische Macht 
noch immer höchst beachtenswert und erschien auch eine 
Besserung der Finanzen nicht ausgeschlossen, zumal wenn es 
gegen Ungläubige oder Andersgläubige zu fechten galt: wo denn 
zugleich von Papst und Bischöfen, Kurie und Kirche reichliche 
Spenden erfolgreich beansprucht werden konnten. Aber das 
v. Zwiedineck-Südenhorst, Maria Theresia S. 14.
	        
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