Full text: Theoretische Sozialökonomie

$ 14. Die Organisation der modernen Tauschwirtschaft. 9 
halb immer ein Kampf zwischen allen Produzenten um die Kaufkraft 
der Konsumenten, 
Nach der klassischen Theorie würde auch der Arbeitslohn durch 
die freie Konkurrenz der Arbeiter auf dem Arbeitsmarkt bestimmt 
werden. Auch diese Konkurrenz dachte man sich durch eine Abwesen- 
heit aller Hindernisse gegen die Bewegungsfreiheit des einzelnen Ar- 
beiters verwirklicht. Die moderne Gesellschaft bedient sich aber zur 
Regulierung des Arbeitslohns hochentwickelter Organisationen sowohl 
auf seiten der Arbeitgeber wie auf der der Arbeitnehmer. Die sogenannte 
freie Konkurrenz ist dabei so ziemlich ausgeschlossen. Der vollendete 
Fachverband besitzt Monopol auf die Arbeit innerhalb des betreffenden 
Berufes, steht aber in normalen Fällen für alle ausgelernte Arbeit dieses 
Berufes offen. Das Monopol kann dann nicht zu einem willkürlichen 
Hinauftreiben der Lohnsätze benutzt werden, denn obwohl der Fach- 
verband keine Konkurrenten im eigenen Berufe hat, muß er doch viel- 
leicht einer Konkurrenz von anderen Berufen, die dasselbe Bedürfnis 
befriedigen, begegnen und hat immer am großen allgemeinen Kampf um 
die Kaufkraft der Konsumtion teilzunehmen. Der Lohn kann also 
nicht höher gesetzt werden, als daß eine Nachfrage behalten wird, die 
dem Andrang an Arbeitskräften entspricht. In dem Maße wie die 
typische Fachverbandspolitik die Lohnsätze wie die übrigen Arbeits- 
bedingungen für Arbeit derselben Art und Qualität im wesentlichen 
einheitlich gestaltet, erfolgt also die Lohnregulierung unter modernen 
Organisationsformen wesentlich nach dem Prinzip der Knappheit. Wohl 
kommen von dieser Regel auch Ausnahmen vor, es wird z. B. versucht, 
den Andrang an Arbeitskräften künstlich zu sperren und somit den 
Lohn über den durch das Knappheitsprinzip bestimmten Satz zu er- 
höhen. Solche Versuche erwecken aber immer Widerstand und werden 
eben als Ausschreitungen der Arbeiterbewegung betrachtet. 
Dieser kurze Überblick über die tatsächlichen Formen des modernen 
Wirtschaftslebens genügt, um folgendes Ergebnis feststellen zu können. 
Die sogenannte freie Konkurrenz verbürgt nicht, wie die Theorie er- 
fordert, eine Preisbildung nach dem Kostenprinzip. Es läßt sich auch 
nicht behaupten, daß die freie Konkurrenz unsere moderne Tauschwirt- 
schaft wesentlich beherrscht. Auf großen und wichtigen Gebieten des 
Wirtschaftslebens hat die neuere Entwicklung die freie Konkurrenz 
vollständig ausgeschlossen. Die Konkurrenz spielt zwar im heutigen 
Wirtschaftsleben eine sehr große Rolle, die Formen, in denen sie sich 
bewegt, weichen aber wesentlich vom Ideal der freien Konkurrenz ab. 
Selbst der Begriff der freien Konkurrenz ist durchaus unklar. Die 
negative Definition der freien Konkurrenz als der Abwesenheit jeder 
Regulierung und jeder Organisation schließt eben die wesentliche Be- 
dingung aus, unter welcher es der modernen Gesellschaft auf gewissen 
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