Full text: Theoretische Sozialökonomie

112 Kap. III. Das wirtschaftliche Prinzip in der Tauschwirtschaft. 
also in Übereinstimmung mit dem Prinzip der Knappheit und den 
supplementären Prinzipien der Preisbildung zu studieren. Da diese 
Prinzipien nur Konsequenzen des allgemeinen wirtschaftlichen Prinzips 
für die Tauschwirtschaft darstellen, muß ein Studium einer solchen 
Preisbildung für jede Tauschwirtschaft Bedeutung haben, die wesent- 
lichen Vorgängeinnerhalbderallgemeinen Tauschwirtschaft 
darstellen: 
Es unterliegt auch keinem Zweifel, daß alle ökonomische Theorie 
auf die Untersuchung einer solchen Preisbildung gerichtet gewesen ist. 
Will man aber diese normale Preisbildung zum Gegenstand seiner Unter- 
suchungen machen, dann ist man nach dem hier Gesagten offenbar nicht 
berechtigt, die Voraussetzung der freien Konkurrenz zum Ausgangs- 
punkt zu nehmen. Es ist richtiger und selbstverständlich auch weit 
natürlicher, die Untersuchung direkt auf diese normale Preisbildung 
einzustellen. 
8 15. Die sozialistische Gesellschaft, 
Die Prinzipien der Preisbildung sind, wie oben (88 11—13) nach- 
gewiesen wurde, lediglich Konsequenzen des allgemeinen wirtschaft- 
lichen Prinzips für die Tauschwirtschaft. Diese Tauschwirtschaft haben 
wir dabei im allgemeinsten Sinne aufgefaßt, an dieselbe nur die Forde- 
rung gestellt, daß sie dem einzelnen Freiheit der Erwerbsarbeit und 
Freiheit der Konsumtion innerhalb der Grenzen seiner Geldmittel ge- 
währt. Daraus folgt, daß die Prinzipien der Preisbildung für jede 
Tauschwirtschaft Geltung haben und besonders von der speziellen 
Organisation der Produktion innerhalb der Tauschwirtschaft unab- 
hängig sind. In dieser letzten Hinsicht ist unsere bestehende Tausch- 
wirtschaft vom Vorherrschen des Privatunternehmertums und des 
Privateigentums an den materiellen Produktionsmitteln charakterisiert. 
Diese Eigentümlichkeiten haben zwar einen großen Einfluß auf die Ein- 
kommensverteilung und damit auf die Nachfrage nach verschiedenen 
Gütern und auf die Richtung der Konsumtion der Gesellschaft und sind 
demzufolge in letzter Linie von einer gewissen Bedeutung für die tat- 
sächliche Gestaltung der Preise, für die Gültigkeit der Prinzipien der 
Preisbildung haben sie aber keine Bedeutung. Diese Prinzipien würden 
in einer Tauschwirtschaft, wo die Gesellschaft die Leitung der Pro- 
duktion übernommen und sich das Eigentum an den materiellen Pro- 
duktionsmitteln vorbehalten hätte, unverändert aufrechtzuerhalten sein. 
Wir nennen eine solche Gesellschaft eine sozialistische. Wir be- 
zeichnen also mit diesem Namen eine geschlossene Tauschwirtschaft, 
wo die ganze Produktion einheitlich von und für die Gesellschaft selbst 
durch eine dazu befähigte oberste Behörde betrieben wird und wo
	        
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