Full text: Theoretische Sozialökonomie

8 18/' Die aktiven Bestimmungsgründe der Preise, 37 
problems im wesentlichen erklären lassen. Diese Lösung hat somit 
wesentliche Bedeutung auch für die Gesamtheit der dynamischen Pro- 
bleme der theoretischen Ökonomie. Dabei muß nur immer beachtet 
werden, daß die Verhältnisse einer Übergangsperiode die Bedingungen 
der folgenden normalen Preisbildung wesentlich beeinflussen, indem 
sie z. B. die Zusammensetzung der Bevölkerung oder die Qualität 
der Arbeit gewisser Gruppen der Bevölkerung dauernd verändern. 
Wie fernerliegende Ursachen die unmittelbaren Bestimmungsgründe 
der Preise beeinflussen, ist eine Frage, die natürlich für jeden Fall be- 
antwortet werden muß, die aber außerhalb der Aufgaben einer allge- 
meinen ökonomischen Theorie fällt. Hier haben wir nur zu zeigen, wie 
Veränderungen der unmittelbaren Bestimmungsgründe der Preise auf 
die Preisbildung und die damit zusammenhängende Leitung der Pro- 
duktion wirken. Die formelle Seite dieses Problems ist im vorher- 
gehenden klargelegt. Es erübrigt aber noch zu untersuchen, inwiefern 
der Einfluß der genannten Veränderungen auch wirklich aktuell wird 
oder ob nicht etwa die tatsächlichen Veränderungen gewisser der ge- 
gebenen Faktoren keine größere Bedeutung für die Preisbildung haben, 
so daß sie vernachlässigt werden kann. In diesem Fall würde vielleicht 
eine, von verschiedenen Schulen versuchte, mehr oder weniger wesent- 
liche Vereinfachung der ganzen Theorie der Preisbildung doch prak- 
tisch möglich sein. Diese Fragen haben wir gesondert für die drei ver- 
schiedenen Hauptgruppen_der unmittelbaren _Bestimmungsgründe zu 
beantworten. 
Bezüglich der subjektiven Bestimmungsgründe, welche die 
Abhängigkeit der Nachfrage nach den fertigen Gütern von den Preisen 
derselben darstellen, bemerken wir zunächst, daß eine Veränderung 
dieser Nachfrage nur dann einen Einfluß auf die Preise gewinnt, wenn 
sie auf die Nachfrage nach den Produktionsmitteln oder auf die Pro- 
duktionsmethoden eine Wirkung ausübt. Denn wenn diese beiden 
Gruppen von Faktoren gegeben sind, sind auch nach unseren Voraus- 
setzungen die Preise der fertigen Güter bestimmt. 
Zunächst gilt es also zu untersuchen, welche Wirkung eine Ver- 
änderung der Nachfrage nach fertigen Gütern auf die Nachfrage nach 
Produktionsmitteln ausübt. Eine veränderte Richtung der Nachfrage 
bedeutet oft in der Hauptsache nur, daß die Produktionsmittel nach 
anderen Verwendungen gezogen werden, ohne daß dadurch die Gesamt- 
nachfrage nach irgendeinem Produktionsmittel verändert wird. Daß 
dies theoretisch möglich ist, sieht man ohne weiteres ein, da doch eine 
gegebene Menge von Produktionsmitteln zu sehr verschiedenen Ver- 
wendungen fähig ist. Wenn z. B. der Geschmack der Brotkonsumenten 
sich in der Weise ändert, daß das Weizenbrot das Roggenbrot teilweise 
verdrängt, bedeutet dies in der Hauptsache nur, daß etwas mehr Acker- 
boden und landwirtschaftliche Arbeit dem Weizenbau, etwas weniger 
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