$ 20. Das Zurechnungsproblem und das soziale Verteilungsproblem. 163
Das Zurechnungsproblem wurzelt, wie schon bemerkt, im Streben,
einen objektiven Maßstab für eine gerechte Verteilung zu finden. Diesen
Maßstab suchte man in einer Art technischen Kausalzusammenhangs
zwischen Leistung und Produkt. Da es nun keinen solchen Schlüssel
zum Zurechnungsproblem gibt, kann es auch überhaupt keine in diesem
objektiven Sinne gerechte Verteilung geben. Das Zurechnungsproblem
ist wesentlich ein wirtschaftliches Problem. Alles was über Gerechtig-
keit in Fragen betreffend die Verteilung zwischen ungleichartigen Pro-
duktionsmitteln geschrieben und geredet wird, ist deshalb lediglich als
Ausdruck unklarer hyperbolischer Vorstellungen zu betrachten, welche
in einer wissenschaftlichen Darstellung keinen Platz haben sollten,
Anstatt des ethischen Problems, wieviel am Gesamtprodukt jedem Mit-
wirkenden kraft seiner Mitwirkung gerechterweise angerechnet werden
soll, müssen wir das rein wissenschaftliche Problem stellen, wieviel bei
der jeweiligen wirtschaftlichen Lage nach tauschwirtschaftlichen Grund-
sätzen jedem der verschiedenen Produktionsfaktoren zukommt.
Die Lösung dieses Problems liegt, wie wir gesehen haben, in der
Preisbildung. Diese Preisbildung ist bestimmt vom Prinzip der Knapp-
heit in Verbindung mit den supplementären Prinzipien der Preisbildung,
und alle diese Prinzipien sind ihrerseits lediglich Konsequenzen des
allgemeinen wirtschaftlichen Prinzips. Daraus folgt, daß für jede Tausch-
wirtschaft, die die Forderungen auf Wirtschaftlichkeit erfüllt, die Prin-
zipien der Preisbildung und somit die der wirtschaftlichen Verteilung
festgestellt sind. Nun läßt sich wohl kaum eine Organisation der Tausch-
wirtschaft denken, wo nicht eine unvollkommene Wirtschaftlichkeit
als ein Mangel empfunden werden würde und Bestrebungen zur Er-
zielung eines höheren Grades von Wirtschaftlichkeit hervorrufen müßte.
Keine Wirtschaftsorganisation würde also ins Gleichgewicht kommen
können, bevor das allgemeine wirtschaftliche Prinzip und damit unsere
Prinzipien der Preisbildung verwirklicht wären. In diesem Sinne kann
eine Verteilung nach unseren Prinzipien der Preisbildung eine vom
wirtschaftlichen Gesichtspunkt objektive Richtigkeit beanspruchen und
die Anteile, die den verschiedenen Produktionsfaktoren bei einer solchen
Preisbildung zufallen, können als ihre wirtschaftlich richtigen Anteile
bezeichnet werden.
Mit diesen Erwägungen ist aber das praktische Verteilungsproblem
noch lange nicht endgültig entschieden. Eine Preisbildung und folglich
eine Verteilung in ausgesprochenem Gegensatz zu den Forderungen der
Wirtschaftlichkeit kann wohl keine Tauschwirtschaft aufrechterhalten.
Aber das praktische Ergebnis einer Preisbildung in Übereinstimmung
mit den Prinzipien der Tauschwirtschaft hängt doch wesentlich von
der relativen Knappheit der verschiedenen im gesellschaftlichen Pro-
duktionsprozeß mitwirkenden Produktionsmittel sowie auch vom Ge-
11