8 22. Die Kapitaldisposition als Produktionsfaktor. „81
disposition ist also für das Ziel der Produktion ebenso notwendig wie
irgendwelches Produktionsmittel, das für die technische Herstellung
des dauerhaften Gutes erforderlich ist, und muß deshalb auch selbst
als ein Produktionsmittel in gleicher Linie mit den übrigen Produk-
tionsmitteln aufgeführt werden.
„Warten“ und ‚„Kapitaldisposition‘‘ sind zur Bezeichnung dieses
Produktionsmittels synonyme Begriffe. Das „Warten“ hebt die nega-
tive Seite hervor, bedeutet einen Verzicht für eine gewisse Zeit auf die
Konsumtion eines vorhandenen Kapitals. Die Kapitaldisposition ist die
dadurch ermöglichte positive Verfügung über das Kapital für dieselbe
Zeit:
Wir haben den Begriff des Realkapitals so begrenzt, daß er nur
solche materielle Güter umfaßt, die sich noch im Produktionsprozeß
befinden. Offenbar müssen wir den Begriff der Kapitaldisposition in
ähnlicher Weise begrenzen, ihn also nicht auf das Abwarten der Dienste
derjenigen dauerhaften Güter, die schon definitiv an die Konsumenten
übergegangen sind, ausdehnen.
Das Warten auf die Dienste der dauerhaften Güter ist natürlich
nur insofern ein notwendiger Produktionsfaktor, als wirklich eine Pro-
duktion in Frage kommt. Sobald die Produktion eines dauerhaften
Gutes geplant wird, muß man auf die zum Warten auf die Dienste
desselben nötige Kapitaldisposition in derselben Weise wie auf jede
andere für die Produktion nötige Leistung rechnen können. Eben deshalb
ist die Kapitaldisposition ein notwendiger Produktionsfaktor. Ist da-
gegen das dauerhafte Gut einmal fertig, dann muß man warten, die nötige
Kapitaldisposition mag gefunden werden oder nicht. Will niemand
für das Gut mehr als die Hälfte der Kosten zahlen, liegt ein Verlust
vor, den der Produzent zu tragen hat. Der Käufer hat dann natürlich
nur die halbe Kapitaldisposition zur Verfügung zu stellen. Dann sind
aber die Bedingungen einer fortgesetzten Produktion gestört. Aus
solchen Verhältnissen kann man nicht schließen, daß die Kapitaldispost-
tion etwa überflüssig wäre, oder daß jede beliebige Menge von Kapital-
disposition genügen würde. Das wäre ungefähr dasselbe wie zu sagen,
daß es unnötig ist, eine fertige Arbeit zu bezahlen, wenn man nur im
voraus eine Zahlung verspricht. Soll die Produktion des dauerhaften
Gutes stets in unveränderten Formen fortgesetzt werden können, ist
es offenbar notwendig, daß die nötige Kapitaldisposition auch stets zur
Übernahme der fertigen Güter bereitsteht.
Da also die Kapitaldisposition nur als eine Bedingung der Produk-
tion anzusehen ist, erfordert die Anwendung der nichtreproduzierbaren
dauerhaften Güter, besonders des Grund und Bodens, wohl ein Warten
auf die Dienste, aber, da der Preis solcher Güter durch keine Produk-
tionskosten bestimmt ist, keine bestimmte Kapitaldisposition.
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