Full text : Theoretische Sozialökonomie

$ 26. Die Bestimmung des Zinsfußes. 027
in der Preisbildung für fertige Güter, und er hat ‘in dieser Eigenschaft
denselben Einfluß, wie die Preise der übrigen Produktionsmittel auf
den Umfang des Verbrauchs, resp. des Sparens. Der Zins hat aber
daneben einen spezifischen Einfluß auf den Spargrad, und, wenn auch
dieser Einfluß bei den gewöhnlich herrschenden Zinssätzen nicht besonders
 aktuell ist, muß er doch in unserer allgemeinen Erklärung
des Preisbildungsmechanismus seinen bestimmten Platz haben. Dies
bereitet aber jetzt keine neue Schwierigkeit, da diese Erklärung jedenfalls
 mit der Annahme gegebener Preise der elementaren Produktionsmittel,
 also auch eines gegebenen Zinsfußes, beginnt.
Wenn wir von dieser Annahme ausgehen, ist also die fortlaufende
Kapitalbildung, sowie auch der Prozentsatz des Fortschritts als bekannt
 aufzufassen. Dieser Prozentsatz bestimmt wieder die stetige
Steigerung der künftigen Nachfrage und damit die Ansprüche auf die
in der gegenwärtigen Einheitsperiode vorhandenen Produktionsmittel,
welche von dieser Nachfrage ausgehen. Da diese Ansprüche gleich
den zur Verfügung stehenden Mengen sein müssen, ist das ganze Preisbildungsproblem
 bestimmt. Damit ist aber auch der Fortschritt bestimmt.
 Die ganze Richtung der Wirtschaft, das heißt die relative Verteilung
 der wirtschaftlichen Bemühungen auf Gegenwart und Zukunft,
oder richtiger auf eine nähere und eine fernere Zukunft, erscheint also
als eine Seite des großen Preisbildungsprozesses, wodurch die Tauschwirtschaft
 in Gleichgewicht gehalten wird.
Den ausschlaggebenden Einfluß auf diese Richtung der Wirtschaft
hat natürlich die Sparsamkeit der Bevölkerung. Das Tempo des Fortschritts
 wird in einer auf dem Boden des Privateigentums stehenden
Gesellschaft von der Rücksicht bestimmt, die ihre Mitglieder in ihrer
privaten Wirtschaftsführung auf die Zukunft nehmen. Ist nun die
Sparsamkeit einer Gesellschaft sehr groß, so wird Kapitaldisposition für
eine bedeutende Vermehrung des Realkapitals zur Verfügung gestellt,
und die Nachfrage nach Kapitaldisposition braucht nicht durch hohe
Zinssätze eingeschränkt zu werden. Eine solche Gesellschaft befindet
sich in einem starken Fortschritt. Umgekehrt natürlich bei niedriger
Sparsamkeit. Tiefgehende Veränderungen in der Sparsamkeit würden
also sowohl auf den Zinsfuß wie auf den Fortschritt einen sehr starken
Einfluß ausüben,
Wäre die Sparsamkeit so unbedeutend, daß die Bevölkerung auch
bei einem hohen Zinsfuß im ganzen keine neue Kapitaldisposition zur
Verfügung stellte, so würde die Gesellschaft in einer stationären Wirtschaft
 stehenbleiben. Dabei müßten offenbar die Ansprüche an Kapitaldisposition
 sehr stark beschränkt werden und für diesen Zweck wäre
eben ein sehr hoher Zinsfuß erforderlich. Bei den tatsächlich vorhandenen
 Möglichkeiten zu lohnender Verwendung von Kapitaldisposition
für eine bessere Bedürfnisbefriedigung ist eine stationäre Wirtschaft

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