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welche teilweise im Zeichen und unter dem Banne einer Alaunmonopol
politik stehen, ganz begreifen können. Eine kurze Skizze der allgemeinen
Weltlage jener Zeit mag uns das Verständnis dieser eigentümlichen
Politik noch erleichtern.
Schauplatz der Weltereignisse ist das Mittelmeer; 200 Jahre lang
strömen die Kreuzfahrer aus allen Teilen Europas nach dem heiligen
Lande und zurück; die großen Seefahrer sind die Venetianer, Genuesen,
Pisaner; die kriegerischen Unternehmungen der Kreuzzüge gestalten sich
für sie zu gewinnbringenden Handelsfahrten, und auch der ganze Ver
kehr zwischen dem Orient und den oberdeutschen Städten und weiter
noch bis an den Rhein und diesen hinab nach Flandern geht durch
ihre Hand. So erstarken hier reiche Handelsrepubliken von großer
politischer Macht, welche sich im Kampf um den Vorrang unablässig
befehden, und welche dabei die stete Spannung zwischen den griechischen
Kaisern und dem fortgesetzt an die Tore Konstantinopels pochenden
Islam geschickt zur Erreichung von Handelsvorteilen ausnutzen. Ihre
ganze auswärtige Politik erinnert in der Idee an die merkantilistischen
Kriege Englands, und wie heute reiche Kolonieen und goldproduzierende
Länder ein Ziel der Kolonialpolitik darstellen, so waren damals die
Alaungruben ein Gegenstand fortwährender erbitterter Zwistigkeiten
zwischen den westlichen und den östlichen Mächten des Mittelmeeres
einerseits, und zwischen den rivalisierenden Handelsrepubliken Italiens
andererseits; denn unter allen Alaunprovenienzen treten um diese Zeit
die kleinasiatischen Alaunsiedereien von P h o c ä a (Foglia) in den Vorder
grund, und wie laut Diodors Bericht in den ersten nachchristlichen
Jahrhunderten von den liparischen Inseln aus die Alaunpreise diktiert
worden waren, wie noch im 12. Jahrhundert die Gewinnung des
ägyptischen Alauns unter dem gleichen Gesichtspunkte Regal gewesen
war, so geht jetzt vom 13. Jahrhundert ab der Kampf um das Monopol
von Phocäa.
In der vom byzantinischen Kaiser Alexius 1082 an die Republik
Venedig verliehenen goldenen Bulle, in welcher den Venetianern eine
Reihe wichtiger Handelsprivilegien als Belohnung für eine ihm ge
währte Unterstützung zur See eingeräumt wird, wird auch der Ort
Phocäa erwähnt J ), aber offenbar spielen seine Alaunwerke um diese
Zeit noch keine Rolle. Der kleinasiatische Alaun des Sultanats Jkonium
wird von Marco Polo erwähnt^), und Rubruquis berichtet im Jahre
1255 bereits von einem kleinasiatischen Alaunmonopol im Besitze eines
Genuesen und eines Venetianers; als Ergebnis teilt er uns mit, daß
die beiden Italiener den Preis des Alauns um mehr als das dreifache
si Heyd 1879, Bd. I, S. 132.
-) Heyd 1879, Bd. I, S. 333 f.