Sa Kap. .IX. Analyse des Geldwesens usw.
lungsmittel durch zwei Faktoren bestimmt, nämlich einerseits durch
die Menge des Papiergeldes, anderseits durch den Bedarf an Zahlungs-
mitteln innerhalb der betreffenden Volkswirtschaft. Bei einer Metall-
währung ist die Sache viel komplizierter. Die Menge der vorhandenen
Zahlungsmittel ist hier keine gegebene Größe des Problems, sondern
hängt mittels des freien Prägerechts mit dem Weltvorrat des Metalls
zusammen, der wiederum mit den Produktionskosten des Metalls
in einem gewissen Zusammenhang steht. Als Nächfrage hat man nicht
nur die monetäre Nachfrage der betreffenden Volkswirtschaft in Be-
tracht zu ziehen, sondern auch diejenige der übrigen Volkswirtschaften
und außerdem noch die ganze industrielle Weltnachfrage des Metalls.
Für die Klarlegung des Zusammenhangs zwischen Wert der Wäh-
rungseinheit und Knappheit an Zahlungsmitteln ist demnach die reine
Papierwährung eine Erscheinung vom allergrößten Interesse.
Wenn unbegrenzt viel Papiergeld ausgegeben wird, muß die Rech-
nungseinheit unbegrenzt entwertet werden, die Preise müssen also
unbegrenzt steigen. Die Papierwirtschaft muß dann in einer Kata-
strophe enden. Ältere Beispiele hierzu bieten die Notenausgabe der
bekannten Lawschen Bank in Frankreich, die Noten in dem gewaltigen
Betrag von beinahe drei Milliarden Livres ausgab, in der großen Kata-
strophe von 1720 aber zugrunde ging, sowie auch die noch viel größere,
aber ebenso verhängnisvolle Ausgabe von Assignaten während der
französischen Revolution.
Eine Papierwährung mit bestimmter Begrenzung des Papiergeldes
ist in der neueren Zeit oft vorgekommen. Das Papiergeld hat sich
dann auf einem gewissen, wenn auch im Verhältnis zu den metallischen
Währungen schwankenden, Wert erhalten. Der Zweck, der mit der
Regulierung des Papiergeldes verfolgt wurde, war meistens die Wieder-
aufnahme der Barzahlungen nach einem gewissen Kurse, also die schließ-
liche Rückkehr zu einer Metallwährung auf Grund des ursprünglichen
Metalles oder der Übergang zu einer neuen Metallwährung (Gold-, an-
statt Silberwährung). Inzwischen war aber der Wert der Papierwährung
wesentlich von der Knappheit der papiernen Umlaufsmittel im Verhält-
nis zur Nachfrage nach ihnen bestimmt, wenn auch die Hoffnung auf
einen baldigen Übergang zu einer metallischen Währung den Wert des
Papiergeldes in gewissem Grade mit beeinflußt haben mag.
"In der Napoleonischen Kriegsperiode konnte die Bank von Eng-
land seit 1797 ihre Noten nicht in Gold einlösen. Da aber die Noten
mit Zwangskurs ausgestattet wurden und folglich gesetzliche Zahlungs-
mittel waren, haben sie das Goldgeld verdrängt. England hatte also
eine Papierwährung, deren Rechnungseinheit, das Pfund Sterling, einen
selbständigen, nur von der Menge der Umlaufsmittel, also der Bank-
noten, bestimmten Wert hatte. Das Gold wurde eine Ware, deren Preis
gleich anderen Warenpreisen in Pfund Sterling bestimmt wurde. Die
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