372
a. Kap. X. Die Bankzahlungsmittel.
Unter modernen Verhältnissen darf es wohl als Regel gelten, daß die
Unternehmen ihren Bedarf an Zahlungsmitteln nicht aus eigenen Mitteln
decken. Das eigene oder durch feste Anleihen beschaffte Kapital des
Unternehmens reicht gewöhnlich kaum zur Deckung des in dem Unter-
nehmen gebrauchten Realkapitals, sei es der Gebäude, Fabrikseinrich-
tungen oder sonstigen Anlagen oder des in Form von Rohmaterial oder
Halbfabrikat vorhandenen beweglichen Kapitals. Der Kassenbedarf des
Unternehmens wird regelmäßig durch Bankvorschüsse gedeckt. Nur zu
einem kleineren Teil werden die von der Bank zur Verfügung gestellten
Zahlungsmittel als Kasse in barem Gelde gehalten. Der Rest bildet ein
Guthaben bei der Bank, worauf Schecks gezogen werden können. Diese
Guthaben werden zu einem geringeren Teil gedeckt durch bares Geld,
das die Banken als Depositen vom Publikum bekommen haben und in
ihren Reserven halten. Der weitaus größte Teil der Kassenmittel besteht
aus Depositen, die durch Vorschüsse der Banken geschaffen sind.
Wir finden also, daß die Banken nicht nur die Kassenhaltung der
Unternehmen übernommen haben, sondern auch die Kassenmittel selbst
beschaffen, größtenteils in Form von neugeschaffenen Depositen, und
sie den Unternehmern leihweise zur Verfügung stellen. Mit dieser Ent-
wicklung ist die Konzentration der Kassenhaltung in den Banken zu
ihrem Abschluß gekommen.
8 45. ‚Die Begrenzung der Depositen.
Die Guthaben auf Scheckrechnungen bilden, wie wir gesehen haben,
ein besonderes, mit dem Gelde konkurrierendes Zahlungsmittel. Schein-
bar liegt es in der Hand der Banken, dieses Zahlungsmittel nach Be-
lieben zu vermehren. Die Bankkunden, die ihre Geschäfte ausdehnen
wollen und dafür mehr Zahlungsmittel brauchen, erhalten diese Zah-
Jungsmittel in Form von Depositen einfach durch Diskontierung ihrer
Forderungen oder Lombardierung ihrer Wertpapiere oder, noch ein-
facher, lediglich auf die Sicherheit ihrer Namen. Solange die Banken
solche Vorschüsse bewilligen, können neue Depositen geschaffen werden.
Eine solche beliebige Vermehrbarkeit eines Zahlungsmittels, das doch
tatsächlich in der heutigen Volkswirtschaft in weitestem Umfange
für Zahlungen benutzt wird und als Zahlungsmittel dem Gelde gleich-
gestellt ist, muß aber von vornherein als ausgeschlossen betrachtet
werden. Wenn die Preisskala überhaupt eine Stabilität besitzen soll, muß
für die gesamte Zahlungsmittelversorgung und somit für jedes einzelne
Zahlungsmittel eine bestimmte Knappheit bestehen. In der Tat erhält
ein Zahlungsmittel, wie früher schon hervorgehoben, seine richtige
Charakteristik erst durch die Art, in welcher seine Knappheit bestimmt
wird. Dies gilt auch von den Depositen,