8 46. Die Banknoten. 9
in demselben Verhältnis, in welchem Noten an der regulären Zirkula-
tion teilnehmen, durch vermehrte Notenausgabe befriedigt werden.
Meistens steigt auch bei starkem Geldbedarf der relative Anteil der
Noten an der Zirkulation, wodurch der außerordentliche Geldbedarf
in noch höherem Grade durch Noten befriedigt werden kann. Das
Recht der Notenausgabeersetzt also für dieZentralbank in größeremoder
kleinerem Umfange die Reserve, die sie gegen ihre Depositen halten muß.
Solange die Banknoten das Geld in der Zirkulation verdrängen, sei
es infolge der Ausgabe von Noten kleinerer Abschnitte, sei es infolge
von Veränderungen in den Gewohnheiten des Publikums, kann der
Notenumlauf vergrößert werden, ohne daß dadurch die gesamte Zah-
lungsmittelversorgung reichlicher wird. Wenn aber diese Verdrängung
des Geldes durch Noten zu einem Stillstand gekommen ist, und das
Geld also fortan einen im großen und ganzen bestimmten relativen
Anteil in der Zirkulation behauptet, so muß jede Vermehrung der
Noten eine entsprechende relative‘ Steigerung der Ansprüche des in-
ländischen Verkehrs auf Bargeld hervorrufen. Die Wirkung einer ge-
steigerten Notenausgabe ist dann dieselbe wie die einer Neuschaffung
von Depositen.
In der Tat bilden Noten und Depositen zusammen eine Gruppe von
Zahlungsmitteln, die wir passend als „Bankzahlungsmittel‘“ be-
zeichnen können, und deren gemeinsames Merkmal darin besteht, daß
sie von den Banken geschaffen und dem Publikum zur Verfügung ge-
stellt werden und daß ihre nötige quantitative Begrenzung durch die-
selben Faktoren bestimmt wird. Diese Begrenzung wird, wie wir im
Falle der Depositen gesehen haben, für die Banken dadurch notwendig,
daß jedes übermäßige Schaffen von Bankzahlungsmitteln Ansprüche auf
Bargeld erweckt, die sich gegen die Reserven der Banken wenden, und
die im großen und auf die Dauer nur durch ein angemessenes Zurück-
halten in bezug auf das Schaffen neuer Bankzahlungsmittel abgewiesen
werden können.
Diesg Ansprüche sind aber in einem Lande, wo‘ die Noten einen
verhältnismäßig großen Platz in der Zirkulation einnehmen, ziemlich
klein, und verschwinden praktisch vollständig, wenn Noten das. Voll-
geld aus der Zirkulation ganz verdrängt haben. In der geschlossenen
Volkswirtschaft, auf die wir unsere Betrachtungen hier beschränken,
würde dann eine beliebige Vermehrung der Bankzahlungsmittel wohl
eine gesteigerte Nachfrage nach Scheidemünzen herbeiführen, aber durch
keine, durch sie erweckte: Nachfrage von Vollgeld verhindert werden.
Es bleibt aber bei Goldwährung stets eine Nachfrage von Gold für nicht-
monetäre Zwecke, und diese Nachfrage wird im allgemeinen mit jeder
Vermehrung des Zahlungsmittelvorrats im großen proportionell steigen
und sich an: die Bankreserve wenden, wodurch die Vermehrung der
Bankzahlungsmittel verhindert wird (vgl. 8 51).
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