8 60. D. Ausgleich d. Zahlungsbilanz. Erster Fall: Freie unabhäng. Währungen 461
Valuta zahlt, weil sie Kaufkraft auf dem inneren Markte darstellt.
Streng genommen muß jede einseitige Erschwerung des Handels zwischen
zwei Ländern den Wechselkurs zwischen ihnen beeinflussen. Die ge-
wöhnlichen handelspolitischen Maßnahmen, wie Zollveränderungen
und dergleichen, scheinen aber keinen sehr beträchtlichen Einfluß auf
den Wechselkurs auszuüben.
Eine internationale Unterschätzung einer Valuta wirkt als eine
besondere Aufmunterung der Ausfuhr und gleichzeitig als eine besondere
Erschwerung der Einfuhr, Die Exportprämie, die die Exporteure infolge
der außerordentlichen Steigerung der ausländischen Wechselkurse ge-
nießen, erhöht ihre Konkurrenzfähigkeit auf den ausländischen Märkten,
was wiederum von ausländischen Produzenten häufig sehr unangenehm
empfunden wird. Auch hat die sogenannte Valuta-dumping vielfach
zu zollpolitischen Maßnahmen zur Verhinderung einer solchen besonders
begünstigten Einfuhr geführt. In der Behandlung solcher Fragen sollte
immer genau beachtet werden, daß eine besondere Begünstigung der
Ausfuhr eines Landes nur infolge einer internationalen Unterbewertung
der Valuta entsteht, und daß eine niedrige Valuta die Ausfuhr eines
Landes nicht besonders befördert, so lange die ausländische Bewer-
wertung mit der Kaufkraftparität übereinstimmt.
Nach der früher herrschenden Auffassung sollte der Wechselkurs
zwischen zwei Ländern lediglich von der Marktlage, d. h. vom Angebot
und Nachfrage von Wechseln, bestimmt sein. Die vollständige Unzu-
länglichkeit dieser Auffassung, die überhaupt keinen Bestimmungsgrund
für die Normallage geben konnte, hat sich während der Umwälzungen
des Geldwesens nach 1914 erwiesen. Erst wenn man die Kaufkraft-
parität als bestimmend für die Normallage des Wechselkurses erkannt
hat, kann man überhaupt mit Hoffnung auf Erfolg zu einer Untersuchung
über die Einwirkung der Marktlage auf den Wechselkurs übergehen.
Ohne Zweifel können zufällige Schwankungen des Wechselkurses
durch zufällige Ungleichmäßigkeiten der Zahlungsbilanz veranlaßt
werden. Solche Ungleichmäßigkeiten der Zahlungsbilanz treten vor
allem im Mangel an Übereinstimmung zwischen Angebot und Nachfrage
von Wechseln zutage. Sobald Wechsel auf B in dem Lande A knapp
werden, d. h. sobald beim herrschenden Wechselkurs die Nachfrage
nach Wechseln das Angebot überwiegt, muß offenbar der Wechselkurs
steigen. Gewöhnlich scheint man sich vorgestellt zu haben, daß man
mit dieser Erklärung eine genügende Theorie des Wechselkurses gegeben
hätte. Dies ist natürlich nicht der Fall. Es ist in einer solchen Frage
immer notwendig klarzulegen, wie schließlich eine Gleichgewichtslage
zustande kommt und in welcher Weise die gedachte Preissteigerung
dabei mitwirkt.
Die Stabilität der Preisbildung setzt doch immer voraus, daß eine
Preissteigerung die Nachfrage beschränkt oder das Angebot erhöht, oder