Full text: Theoretische Sozialökonomie

546 Kap. XVII. Einfluß der Konjunkturen. auf die Preisbildung usw. 
herabdrücken muß. Der Anfang der Hochkonjunktur ist für den Unter- 
nehmergewinn besonders günstig. Er geht dann schnell in die Höhe. 
Diese aufsteigende Bewegung wird aber bald gehemmt, wohl teilweise 
eben durch die starke Steigerung des Lohneinkommens. Sobald eine 
Abschwächung der Steigerung. des. Unternehmergewinns oder gar ein 
Rückgang desselben stattfindet, ist ein Umschlag der Konjunktur 
nahe. Es liegt auf der Hand, daß der Unternehmergewinn in der be- 
ginnenden Hochkonjunktur einen größeren Teil’des gesamten Volks- 
einkommens ausmachen muß als in der Zeit, wo die Konjunktur auf 
ihre Spitze getrieben wird, oder besonders in der Depression, wo das: 
Unternehmereinkommen und das übrige Volkseinkommen_ einer ent- 
gegengesetzten Entwicklung unterworfen sind. 
Unsere Untersuchungen über die realen Vorgänge der Produktion 
veranlaßten uns, nur zwischen Auf- und Niedergangsperioden zu unter- 
scheiden. Die nähere Analyse der Preis- und Einkommenbildung macht 
es, wie wir jetzt sehen, notwendig, die Anfangsperiode in zwei Perioden 
zu teilen, von welchen wir die erste als die Periode des beginnenden 
Aufschwungs, die zweite als die eigentliche Hochkonjunktur 
im engeren Sinne des Wortes bezeichnen können. 
$ 74. Der Konsum. 
Die gesteigerte Produktion von festem Kapital, welche die Hoch- 
konjunktur charakterisiert, erfordert, wie wir gesehen haben, eine Ver- 
größerung der Zahl der Arbeiter, gewöhnlich auch eine Verlängerung 
der Arbeitszeit. Die Arbeiter, die neu eingestellt werden, kommen aus 
den Reihen der Arbeitslosen, der bisher unbeschäftigten Jugend oder 
der landwirtschaftlichen Bevölkerung. In allen Fällen bedeutet die 
Einstellung neuer Arbeitskraft und die Verlängerung der Arbeitszeit die 
Schaffung eines neuen Einkommens. Dieses Einkommen stellt eine zu-- 
sätzliche Kaufkraft dar. Da es auch ohne Zweifel zum weitaus größten 
Teil verzehrt wird, bedeutet dieses neue Einkommen eine neue Nach= 
frage für die Industrien, die für den Bedarf der Arbeiterklasse arbeiten. 
Zum Teil sind diese Industrien ebenfalls kapitalproduzierende, nämlich, 
soweit es gilt, neue Wohnungen für die Arbeiter herzustellen. Im 
übrigen kommen hier die Industrien der Massenverbrauchsartikel in 
Betracht. Da nun in allen diesen Industrien infolge der gesteigerten 
Nachfrage eine erhöhte Tätigkeit eintritt, müssen auch hier mehr 
Arbeiter eingestellt und die Arbeitszeit verlängert werden. Die stets 
wachsende Nachfrage nach Arbeitern sowohl für die kapitalproduzieren- 
den Industrien wie für die Industrien des Massenverbrauchs treibt 
allmählich die Arbeitslöhne in die Höhe und vermehrt also noch die 
Kaufkraft der Arbeiterklasse.
	        
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