550 Kap. XVII. Einfluß der Konjunkturen auf den Kapitalmarkt.
gelegt werden. Wenn also der Unternehmergewinn einen höheren
Spargrad als den durchschnittlichen aufzuweisen hat, so muß die
Kapitalbildung der Gesellschaft in denjenigen Zeiten, die dem Unter-
nehmergewinn besonders günstig sind, relativ stark sein. Eine solche
Zeit ist die Periode des beginnenden Aufschwungs. Wir dürfen also
auf eine relativ starke Kapitalbildung im Anfang der Hochkonjunktur
schließen. Sobald aber Arbeitslöhne und Preise zu steigen beginnen,
tritt wahrscheinlich eine relative Abschwächung der Kapitalbildung
im Verhältnis zum Volkseinkommen ein. Denn die Arbeiterklasse
konsumiert sicher einen verhältnismäßig großen Teil ihres Einkommens,
zumal, wenn die Preise aller Lebensmittel in die Höhe gehen. Gileich-
zeitig beginnt das Unternehmereinkommen den Lohnsteigerungen ztu-
folge zurückzugehen oder jedenfalls sein Steigerungstempo zu ver-
langsamen, womit eine wichtige Quelle der Kapitalbildung an Stärke
verliert. Das Ende der Hochkonjunktur wird sich also durch eine re-
lative Knappheit des Kapitalangebots auszeichnen. Daß auch in der
Depression der Unternehmergewinn verhältnismäßig wenig zur Kapital-
bildung beizutragen vermag, ist selbstverständlich. Die übrigen Teile
des Volkseinkommens dürften aber bei den niedrigeren Lebenskosten
auch in der Depression, besonders nachdem die allerschwerste Zeit
überwunden ist, eine ziemlich starke Kapitalbildung aufweisen.
Diese Erwägungen machen es wahrscheinlich, daß die Kapital-
bildung im Verhältnis zum Volkseinkommen ihre größte Stärke in der
Periode des beginnenden Aufschwungs hat, in der eigentlichen Hoch-
konjunktur aber nicht unerheblich abnimmt, um, nachdem sie in der
Krise natürlich schwer gestört worden ist, in der Depression wieder
allmählich kräftiger zu werden.
Achtzehntes Kapitel.
Einfluß der Konjunkturen auf den Kapitalmarkt.
$ 76. Angebot und Nachfrage.
Die vorhergehende Untersuchung hat gezeigt, daß die Produktion
von festem Kapital in den verschiedenen Konjunkturen bestimmten
Variationen unterworfen ist. In der Depression findet ein Rückgang
statt, in der Hochkonjunktur eine Steigerung über das normale Maß
hinaus. Diese für die ganze Theorie der Konjunkturbewegungen grund-
legende Tatsache ist sowohl direkt durch die Daten, die wir über die
Produktion vorgeführt haben, als auch indirekt durch unsere Unter-