$ 76. Angebot und Nachfrage. {
suchungen der Bewegungen der Arbeitskraft und der Warenpreise voll-
auf bestätigt. Das Hauptgewicht liegt dabei darauf, daß dieser Einfluß
der Konjunkturen der Produktion von festem Kapital eigentümlich ist,
sich auf dem Gebiete der Konsumproduktion nicht, oder wenigstens
icht in demselben Maße geltend macht. Daraus folgt nämlich, daß die
Produktion von festem Kapital in der Hochkonjunktur einen größeren
Teil der Gesamtproduktion als in der Depression darstellt. Es findet mit
anderen Worten in der Hochkonjunktur eine Verschiebung der Gesamt-
produktion in der Richtung einer relativ vergrößerten Produktion von
estem Kapital statt. In der Depression tritt eine Verschiebung in ent-
gegengesetzter Richtung ein.
Der Produktion gegenüber steht das Einkommen in derselben
Stellung wie die Nachfrage zum Angebot. Wenn wir das Einkommen
aus Wertsteigerungen früher vorhandener Güter ausschließen — was
ijer berechtigt ist, da wir uns dieses Einkommen als in der Wert-
teigerung angelegt vorstellen können —, so entspricht das Einkommen
einer gewissen Periode der Produktion in derselben Periode. Beide
decken einander, das Einkommen ist, wie wir wissen, gerade hinreichend,
m die Produktion zu kaufen. Nun wird aber das Einkommen zwischen
Verbrauch und Sparen geteilt. Der erste Teil wird zum Kauf von
Konsumgütern, der zweite Teil, die Sparmittel, zum Kauf des neu-
produzierten Realkapitals verwendet. Auf dem Kapitalmarkt tritt
einerseits das Sparkapital als Angebot, andererseits das produzierte
Realkapital als Nachfrage nach Kapitaldisposition auf.
Es fragt sich nun, welche Veränderungen der Kapitalmarkt in diesem
inne unter den verschiedenen Konjunkturen erleidet. Um hierüber Klar-
heit zu gewinnen, wollen wir zunächst voraussetzen, daß in der Ver-
wendung des Einkommens keine Verschiebung stattfindet, mit anderen
Worten, daß das verbrauchte und das kapitalisierte Einkommen in unver-
ändertem Verhältnis zueinander bleiben. Dann steigen sowohl das ver-
brauchte Einkommen wie auch die Kapitalbildung in demselben Tempo
ie das Gesamteinkommen. In der Hochkonjunktur aber steigt die Pro-
duktion von festem Kapital in schnellerem Tempo als die Gesamtpro-
duktion, die Produktion von Verbrauchsgegenständen also inlangsamerem
Tempo. Es entsteht also ein Mangel an Übereinstimmung zwischen der
Verteilung der Produktion und der Verteilung des Einkommens. Auf dem
Gebiete des Verbrauchs überwiegt das Einkommen, und die Folge muß
ine Preissteigerung der Verbrauchsgegenstände sein. Daß eine solche
uch wirklich eintritt, haben wir oben feststellen können. Wenn sie im
anzen ziemlich schwach ist, so erklärt sich das natürlich aus dem Um-
stand, daß die Verschiebung auf dem Gebiete der Produktion für die
onsumgutproduktion, die den weitaus größeren Teil der Gesamt-
roduktion darstellt, eine relativ geringe Bedeutung hat. Auf dem
apitalmarkte überwiegt die Produktion. Es muß also hier eine ent-
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