Full text: Theoretische Sozialökonomie

558 Kap. XVIII. Einfluß der Konjunkturen auf den Kapitalmarkt. 
konstruiert. Man sieht, daß das Minimum.des Zinsfußes immer auf. das 
Ende der Depressionsperiode fällt. In der Regel befindet sich der Zins- 
fuß während der ganzen Depressionsperiode im Sinken. 
Für die Entwicklung in England in den achtziger Jahren wird 
unsere Regel ohne Bedeutung, da die Roheisenerzeugung zurück- 
gegangen ist und im Minimumjahre 1889 wesentlich kleiner als im vor- 
hergehenden Maximumjahre 1882 war. Dagegen erreichte der Zinsfuß 
in der Depression der siebziger Jahre sein Minimum 1879, also im Jahre 
vor dem Beginn des neuen Aufschwungs. Auch im Jahre 1895 sank der 
Zinsfuß auf ein Minimum herab, wonach der neue Aufschwung mit dem 
folgenden Jahre begann. Im Jahre 1905, wo die Roheisenerzeugung 
Großbritanniens nach der Depression am Anfang des Jahrhunderts ihr 
früheres Maximum überschritt, stand der Zinsfuß auf seinem Minimum. 
Für Deutschland fällt der Beginn des Aufschwunges, wie wir ihn 
definiert haben, in der Regel mit dem Minimum des Marktdiskonts 
zusammen, nur daß der Zinsfuß in den achtziger Jahren erst im Jahre 
1888 sein Minimum erreichte, während die Aufgangsperiode schon mit 
dem Jahre 1887 begann. 
Betreffend die Maxima des Zinsfußes und der Roheisenerzeugung 
kann man, wenn man einzelne Länder betrachtet, kleinere Verschie- 
bungen wahrnehmen. Trotzdem dürfte unsere Regel als von der Er- 
fahrung genügend bestätigt anzusehen sein. Sie scheint sowohl theo- 
retisch wie praktisch Aufmerksamkeit zu verdienen. 
$ 78. Die Effektenkurse. 
Die Preisbewegungen des festen Kapitals sind nicht leicht all- 
gemein festzustellen, da für die meisten hier in Betracht kommenden 
Güter kein eigentlicher Markt besteht. Das meiste feste Kapital ist aber 
durch Wertpapiere der einen oder anderen Art auf der Effektenbörse 
vertreten. Die Nachfrage nach Sparmitteln zur Übernahme des pro- 
duzierten festen Kapitals äußert sich teils als Nachfrage nach Mitteln, 
um Dividendenpapiere zu kaufen, teils als Anleihebedürfnis. Die Divi- 
dendenpapiere vertreten direkt das Eigentum an festem Kapital, aber 
auch die Anleihen, die als festverzinsliche Papiere auf die Börse kommen, 
dienen, volkswirtschaftlich betrachtet, zur Übernahme des neuprodu- 
zierten festen Kapitals. Zwar werden Anleihen nicht nur von Unter- 
nehmern, sondern auch von öffentlichen Korporationen aufgenommen. 
Ein wesentlicher Teil der Effentlichen Anleihen, besonders der kommu- 
nalen, wird aber zur Übernahme von festem Kapital benutzt. Wenn der 
Markt für diese Kapitalansprüche zu knapp ist, wird er auch den Kon- 
sumtivanleihen (besonders denjenigen der Staaten) gegenüber dieselbe 
Knappheit zeigen. Der Kapitalmarkt wird sich also allen Ansprüchen
	        
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