Gastfreundschaft und Freiheit verstießen, den König aber be-
stimmten, nun den Engländern die Kaperfahrt auf fremde Kommission
zu verbieten. Im September 1662 wurde endlich ein Freundschafts-
vertrag geschlossen; in ihm erreichten aber die Niederländer von
ihren großen seewirtschaftlichen und handelspolitischen Forde-
rungen nichts!). Es schien unmöglich, zwischen zwei aufeinander
eifersüchtigen Handelsvölkern ein befriedigendes Kompromiß zu
schließen, zumal das eine, das englische, von starkem imperia-
listischem Geiste erfüllt war.
Dieselbe Handelseifersucht ließ es auch nicht zu einer ge-
meinsamen Unternehmung der Niederländer, Engländer und Fran-
zosen gegen die nordafrikanischen Seeräuber kommen, die 1664
von den Niederlanden gewünscht wurde. England trug die Schuld
an dem Scheitern dieses Plans, da es die Ausdehnung des nieder-
ländischen Handels im Mittelländischen Meere nicht gern sah.
Nicht weniger suchten auf andern Handelsgebieten die Engländer
die Niederländer zu verdrängen oder doch in ihrem Besitzstande
zu schädigen. Ein besonderer Gegenstand des Neides war für die
Engländer die starke Handelsstellung der Niederländer im Ostsee-
handel, wo der englische Handel noch immer nicht gegen den nie-
derländischen aufkommen konnte und wo ihre Schiffahrt unter der
geringen Brauchbarkeit des englischen Schiffsmaterials für diese
Fahrt litt. Nach der Navigationsakte durften die Niederländer
die Erzeugnisse der Ostsee nicht nach England führen; das geschah
nun aber nicht durch Engländer, sondern durch Dänen und Schwe-
den. Das Bestreben Englands, in den Genuß derselben Rechte, wie
sie die Niederlande durch ihren Vertrag mit Dänemark vom 15. April
1658 erreicht hatten, zu gelangen, war bisher erfolglos geblieben;
infolgedessen erfuhren die niederländischen Schiffe durch das auf sie
angewandte Meßverfahren eine nicht unerhebliche Bevorzugung,
die freilich auch zu vielen Betrügereien Anlaß gab, aus denen die
Niederländer Vorteil für sich zogen?).
In England wuchs inzwischen die Mißstimmung gegen die
Niederlande, denen man die lässige Befriedigung von allerlei An-
sprüchen und Beschwerden vorwarf. Die Bewegung gegen die „OP-
pressions of the Dutch“, die vorzüglich von den Tuchhändlern aus-
) Japikse, Si 227ff.
°) Japikse, S.30off.; vgl. Kernkamp, Verslag, S. 210, 216, 219.
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