Full text : Holländische Wirtschaftsgeschichte

— A) —-hatte
 die Bevölkerung immer mehr an Kaffee und Tee gewöhnt,
auch der Weingenuß nahm zu. Daß die Brauerei trotzdem noch etwas
bedeutete, ergab sich hingegen daraus, daß sie in Holland jährlich
 280 000 fl. Impost einbrachte. Der Preis von 10 fl. 10 St. per
Tonne war auch nicht zu hoch mit Rücksicht auf die Steigerung der
Gersten-, Hopfen- und Kohlenpreise auf 9 fl. bzw. 20 St. bzw.
20—22 {fl., während für die Tonne Bier früher 8 fl. genommen war,
als die Gerste 3—31, der Hopfen 3% St. und die Kohlen 13—15 fl.
gekostet hatten. Von einer Maßregel, wie sie jene Prämie darstellte,
war jedoch schwerlich etwas Ersprießliches zu erwarten. Die Hopfennot
 blieb weiter bestehen; es bestand aber überall Mangel an diesem
Erzeugnis. Die Amsterdamer Hopfenhändler hatten von Anfang
an sich gegen Ausfuhrverbote erklärt, wie Amsterdam überhaupt
auch hier wieder einer freieren wirtschaftlichen Auffassung huldigte.
Ein für kurze Zeit Ende 1805 erlassenes Ausfuhrverbot wurde Anfang
 1806 wieder aufgehoben. Man erhielt sogar Hopfen aus Nordamerika).

Die neue Konstitution von 1798 machte auch dem städtischen
Privileg, das das Brauwerk auf die Städte beschränkte, ein förmliches
 Ende; tatsächlich war es ja, wie wir sahen, schon vielfach
durchbrochen worden. Ein Versuch der Brauer, 1805 noch einmal
die Sache des Brauens auf dem flachen Lande in ihrem Sinne zur
Entscheidung zu bringen, scheiterte an der Ablehnung der Regierung,
 die eine solche Auffassung als mit dem System einer ‚„aufgeklärten
 Regierung‘ in Widerspruch stehend bezeichnete?). Vereinfacht
 wurde damals die Besteuerung des Bieres. Nachdem 1805
der alte Bierimpost abgeschafft und mit der Einverleibung in Frankreich
 das französische Gesetz in Kraft trat, war nun jedes Bräu
Bier mit 2 Fr. per Hektoliter belastet?).
Verhältnismäßig gut behaupteten sich die Brennereien.
Schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts scheint sich freilich auch in
dieser Industrie teilweise ein Rückgang vollzogen zu haben; der
Umsatz an der Schiedamer Börse nahm ab mit den steigenden Preisen;
 1799 hörte deshalb das Einschreiben in das Börsenbuch ganz
3 Timmier, aa. ©, S 203. dAlphonse, 5$S. 261 f.; ebenda, S. 178
über den Hopfenbau.
2) Timmer, Gen. brouwers, S. 219 f:
3) Ebenda, S. 258.

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