— 2 —
Um diese Zeit, um die Wende des Jahrhunderts,
überflügelte die englische Baumwollindustrie
die niederländische Im Jahre 1802 gab
es in Enschede etwa 50 Spinnmaschinen, von denen man
freilich annahm, daß sie in ihrer technischen Vollkommenheit und
Leistungsfähigkeit hinter den englischen zurückstanden. Man
gewöhnte sich überhaupt in den Niederlanden
sehr schwer an die Maschinen in der Industrie,
zum Teil aus konservativer, zum Teil aus humaner
Gesinnung, da man die Leute nicht entlassen mochte!). Und die
folgende unruhige Zeit, die Abschließung gegen England, ist der
Einführung der Maschinen in den Niederlanden nicht günstig gewesen.
Die Baumwolle bezog man von Amsterdam, das bis zur
Kontinentalsperre der große Baumwollmarkt für das Festland
war.
Während der französischen Zeit verfiel mit dem Schiffbau
auch die mit ihm in Verbindung stehende Industrie. In Rotterdam
gab es vor 1795 außer der Werft der Ostindischen Kompanie
und der Reichswerft 7 Privatwerften, die 5—7 Schiffe jährlich bauten
und etwa 600—700 Arbeitern Beschäftigung gaben. Diese
verfielen jetzt. Ebenso ging es den dortigen Tauschlägereien, deren
es früher 4 gegeben hatte; von ihnen arbeiteten noch 3 und zwar
mit inländischem Hanf und mit 30—35 Mann gegen früher 60—70°%).
Auf die Schiffahrt hatte das Kontinentalsystem ebenso
wie später die Einverleibung eine nicht weniger traurige Wirkung
als auf die Industrie. Schon mit dem Beginn des Jahrhunderts
war die niederländische Schiffahrt mehr und mehr unter neutrale
Flaggen geflüchtet. Holländische Kaufleute richteten sogar heimlich
französische und englische Kaperschiffe aus, die auf die eigenen,
holländischen Schiffe Jagd machten, so daß sie die Assekuranzgelder
und den Wert der gekaperten Waren, die in Frankreich
oder England verkauft wurden, gewannen! Allmählich geriet dann
die ganze Schiffahrt in die Hände der Neutralen, namentlich Hamı)
Posthumus, Bijdr. tot de gesch. v. d. ned. Groot-Industrie (Econ.
Hist. Jaarb., I), S. 99, Anm. 2; Hogendorp, Bijdragen, V, 191 (mit Rücksicht
auf Kampen).
2?) Koch, S. 9. Den Verfall an der Zaan schildert Niebuhr, Circularbriefe,
S. 82 f.
EC