Full text : Holländische Wirtschaftsgeschichte

auf. Schon 1784 erging von allen Kornbranntweinbrennern in
den Niederlanden an die Generalstaaten ein Gesuch um Verminderung
 der Ausfuhrabgabe für Kornbranntwein und Genever von
I fl. 10 Stüver per Oxhoft!); die Bewegung ging aus von Rotterdam
und Delfshaven. Wenn aber 1775 Schiedam 120, 1792: 220 und
1798: 260 Brenner zählte, so sprachen diese Zahlen nicht für einen
Rückgang. In ganz Holland gab es Ende des Jahrhunderts noch
400 Brennereien, die 17 Mill. fl. einbrachten; nach Abzug des einheimischen
 Verbrauchs blieben immer noch ırı—12 Mill. fl.2).
Nach Metelerkamp®) war die Brennerei eine der wenigen
Industrien, die im 18. Jahrhundert nicht zurückgegangen sind;
und dem wird man zustimmen können. Während der französischen
Zeit konnte, wie begreiflich, auch diese Industrie nicht zu neuer
Blüte kommen‘).
Selbst die schon lange verfallene Leidener Tuchindustrie
 suchte man durch neue Experimente wieder auf die Beine
zu bringen. Aus dem Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts
ist eine Reihe von Vorschlägen bekannt, die dem traurigen Zustand
dieser Industrie ein Ziel setzen wollten; die zünftlerischen Fesseln
waren gefallen; so kam man auf allerlei Pläne protektionistischer
Art, wie auch auf den, daß alle Angestellten der Stadt sich nur
in Leidener Tuch zu kleiden hätten. Den Rückgang hielt man
nicht mehr auf; 1810 waren noch 60 Webstühle vorhanden gegen
150 im Jahre 1753; rechnet man 30—40 Menschen auf den Webstuhl,
 so ergab sich ein großer Verfall des Gewerbes®). Trotz der
allgemeinen Notlage sah auch jene .Zeit noch neue industrielle
Gründungen; so wurde 1801 in Ha arlem eine Fabrik von Kattunzwillich®)
 und 1802 in Gouda_ eine Kattundruckerei”) errichtet.
5 1) ı Oxhoft = 30 Viertel; ı Viertel = 7% Liter.
Z). Metelerkamp, I, 1001.
*) Ebenda; vgl. auch d’Alphonse, S. 262 ff.
*‘) Um 1809 waren in Schiedam noch 200 Brennereien, in Weesp noch 2
(1798: 14); der Weesper Genever ging namentlich nach Ostindien, wohin die Ausfuhr
 jetzt völlig gesperrt war. (Nemnich, S. 150 £.)
5) Reimeringer,. S. 130.
°) Janssen van Raaij, S. ı13. Mit Mühe erreichten es 1807 die
niederrheinischen Leinenfabrikanten, daß man ihnen das altgewohnte Bleichen
ihrer Leinen in Holland, namentlich Haarlem, gestattete (Zeyss, S. ıı2 f.). Über
den Verfall der Bleichereien vgl. d’Alphonse, S. 301.
7) Wiersum en van Sillevoldt, S. 80, Anm. I.
Baasch, Holländische Wirtschaftsgeschichte. 926

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