Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

burgs, Bremens, Dänemarks!). Zeitweise waren auch infolge des 
Kontinentalsystems die holländischen Häfen völlig geschlossen, so 
von Ende November 1808 bis zum Juni 1809?). Die Einverleibung 
Hamburgs und Bremens in das Empire verschloß auch diese Flaggen 
den Holländern. Nun war der Handel der Niederländer mit dem 
Auslande nur noch mit kaiserlichen Lizenzen möglich ; dieses System 
der Ausnahmen von den allgemeinen Schiffahrts- und Handels- 
verboten wurde hier wie auch in den Hansestädten von der kaiser- 
lichen Regierung nicht ohne Erfolg beobachtet. Alle Schiffe mußten 
von Amsterdam oder Rotterdam ausfahren; die Ladung mußte 
für ein Drittel des Wertes aus in Frankreich hergestellten Seiden- 
und Luxuswaren bestehen, für den Rest aus Butter oder Käse, 
Kleesaat, Blumensaat, Blumenzwiebeln, Senfsaat, Wein, Zement, 
Steinen, Pflaumen, holländischem Leinen, Stoffen, Papier usw. 
Zur Einfuhr waren erlaubt: Schiffsbauholz, Planken, Masten, Dau- 
benholz, Matten, Pech, Teer, Medikamente, Schwefel, Leder von 
Buenos Aires, Leinsaat, Gold, Silber, spanische Piaster. Der Wert 
der Ausfuhr hatte sich nach dem Bestimmungsort zu richten, der 
Wert der Einfuhr nach dem Preis des fremden Marktes, wo die 
Ladung gekauft war®). Über diese höchst seltsame Verfügung klag- 
ten die Kaufleute bitter; da die Einfuhr von Seiden- und Luxus- 
waren in England verboten und nur durch Schmuggel zu bewirken 
war, wurden sie in große Verlegenheit versetzt. Überhaupt ver- 
ursachten die Lizenzen, die nur bezweckten, Geld aus England 
herauszuziehen, arge Mißbräuche und machten selbst den franzö- 
sischen Beamten viel zu schaffen. Der Verkehr und die Korrespon- 
denz mit England hat auch ohne die Lizenzen nie ganz aufgehört; 
selbst der Warenverkehr war nicht völlig zu unterdrücken; die 
meisten Maires der kleinen holländischen Küstenstädte waren hier- 
an beteiligt*). 
Traurig ging es auch der Heringfischerei. War 
schon Ende des 18. Jahrhunderts ein starker Rückgang zu ver- 
———_—_ 1) Blok, Geschiedenis, VII, S. 90 ff. 
) Sautijn Kluit, S.o7.; Jorissen,S. 46518 
) Koch, S. 191f. Darmstädter, Studien; 1904, 'S; 611. 
‘) Koch, S. 77 ff. Über. den Schmuggel zwischen England und Holland 
vgl. Cunningham, Brit. credit, S. 60 ff. Die Klagen Napoleons über den 
trotz der Sperre bestehenden starken Verkehr Hollands mit England bei Joris- 
sen, S. 241. 
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