Hatte sich so Amsterdam eine Reihe regelmäßiger Schiffahrts-
verbindungen mit europäischen Häfen geschaffen, so fehlte es noch
völlig an solchen mit den überseeischen Ländern. Bereits
1853 war im Ministerium des Auswärtigen und in der Amsterdamer
Handelskammer die Herstellung einer direkten Dampferverbindung
mit den Vereinigten Staaten erwogen und als sehr notwendig bezeich-
net worden. Während in den englischen und deutschen Häfen sich
diese Fahrt kräftig entwickelte, litten die niederländischen Handelsbe-
ziehungen sichtlich unter diesem Mangel!). Allerdings fehlte es solchen
niederländischen Unternehmungen an einem wichtigen Gegenstand des
ausgehenden Verkehrs, wie ihn den deutschen und englischen Reede-
reien die Auswanderer lieferten. Ferner machten sich auch wieder
partikulare Gegensätze geltend. Die Interessen Seelands, die J. A.
Fokker und M.H. Jansen vertraten, empfahlen 1869 Vlissingen,
das zwar nie Amsterdam und Rotterdam als Handelsstädte ver-
drängen könne, aber einen ausgezeichneten Hafen besitze. Die
Dordrechter Handelskammer empfahl hingegen Dordrecht oder
Willemsdorp als Ausgangspunkt für eine Newyorker Linie. Man
stritt hin und her, ob eine Subvention erforderlich sei; einige Mit-
glieder der zweiten Kammer traten für eine Subvention ein; es
gab einen scharfen Zusammenstoß; die Anhänger des Freihandels
sahen in jenem Antrag einen Vorstoß des Protektionismus?). In-
folge des hierüber entstehenden Streites mißglückte die aufgelegte
Anleihe; und als 1874 die Linie wirklich eröffnet werden sollte,
hatte sich die wirtschaftliche Lage derartig verschlechtert, daß
man die von der K.N. St. M. schon im einzelnen vorbereiteten
Fahrten nicht zur Ausführung brachte. Doch erhielt Vlissingen
1875 eine Reederei, die sich ‚„Maatschappij Zeeland“ nannte, bei
der die K.N. St. M. beteiligt war; sie pflegte vornehmlich die
englische Fahrt.
In Rotterdam hatte man sich inzwischen nicht durch die
Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse abschrecken lassen und
war, unter der Führung von Männern wie Marten Mees,
F..J. Plate und O. Reuchlin, bereits 1871 an die Aufgabe
geschritten, eine regelmäßige Dampferlinie nach Nordamerika zu
1) Vgl. Verslag over de vermoedel. gevolgen der Doorgrav. van de landengte
van Suez (1859), S. 97.
2) De Economist, 1871, 'S. 285 1£., 412 If.
522