Full text : Holländische Wirtschaftsgeschichte

Holland gelöscht werden. Nach und nach wurden auch Linien
nach Baltimore, Philadelphia und, seit 1902, nach Westindien
eröffnet. Im Herbst 1914 beteiligte sich die Gesellschaft sogar an
einer Linie zwischen Java und Newyork. Die Holland—Amerika-Linie
 hat vom Staat nie Subventionen erhalten; die Verbindung
mit Nordamerika mußte sich selbst ernähren, und für diese Verbindung
 war auch die Möglichkeit gegeben, trotz der oft jahrelangen
rechnerischen Ertraglosigkeit.
Eine zweite große Rotterdamer Dampfschiffsreederei, der
„Rotterdamsche Lloyd“, ging hervor aus der Segelschiffsreederei
von Wm. Ruijs, die seit 1844 bestand und einen regelmäßigen
Verkehr nach Niederl.-Ostindien unterhielt!). Schon in den 1870er
Jahren stellte die Firma einige Dampfer in diesen Verkehr ein;
als dann englisches Kapital und englische Schiffe in die Firma
übernommen wurden, erhielt sie seit 1875 den Namen ‚„‚Rotterdamsche
 Lloyd‘‘; 1883 wurde sie unter demselben Namen Aktiengesellschaft.
 Gemeinsam mit der Amsterdamer Gesellschaft ‚,‚Nederland‘
 betrieb sie später die Ostasiatische Fahrt.
Als sehr schwierig erwies sich von Anfang an die Herstellung
direkter Dampferverbindungen mit den ostindischen Besitzungen.
Im Verkehr innerhalb derselben waren schon frühzeitig Dampfer
tätig; 1825 vermittelte ein in Soerabaya gebauter Dampfer die
Verbindung zwischen diesem Platz und Batavia. Ein für den Verkehr
 zwischen dem Mutterlande und Ostindien 1826 in Rotterdam
gebautes Dampfschiff erwies sich als für diese Fahrt nicht brauchbar.
 Über allen diesen Unternehmungen ruhte zunächst wenig
Segen; sie sind an Mißerfolgen reich gewesen. Im allgemeinen
war sonst die Verbindung mit Ostindien den damaligen Verhältnissen
 entsprechend nicht schlecht; bis Suez benutzte man den
Dampfer, von dort aus weiter über Ceylon nach Singapore; 1844
brauchte ein Brief auf diesem Wege von Amsterdam nach Batavia 59,
1848 nur noch 50, 1858: 42 Tage. Verschiedene, in den 1850er
Jahren entworfene Pläne einer Dampferverbindung um Südafrika
herum zerschlugen sich als zu schwierig und kostspielig, namentlich
 mit Rücksicht auf die Kohlenbeschaffung.
Gegen den Plan, den Suezkanal zu bauen, verhielt
man sich in den Niederlanden zunächst sehr ablehnend; die Amster-1)
 Deutsche Wochenzeitung in d. Niederlanden, 1921, Juli 9.
            
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