Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

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festgesetzt. Damals hatte man erhebliche Bedenken, ob die Gesell- 
schaft überhaupt erhalten bleiben solle; nur das Interesse der Be- 
ziehungen der Regierung zu jener entschied schließlich ihren Fort- 
bestand. Doch war man weniger denn je von der wirtschaftlichen 
Notwendigkeit der Maatschappij überzeugt; nur sehr ungern ent- 
schloß man sich zu einer weiteren Verlängerung des Kontrakts auf 
25 Jahre, in der man einen Zwang für die Regierung sah, sich nur 
der Gesellschaft für die Konsignationen zu bedienen. Doch wurde 
von jetzt ab das Konsignationssystem allmählich insoweit abgebaut, 
als seit 1853 ein Teil der Regierungsprodukte in Indien zum Ver- 
kauf gestellt wurde; nur für die nach Europa geschafften Produkte 
verblieb bis Ende 1874 der Maatschappij die Vermittlung. Kam 
dadurch in den Handel mit ostindischen Erzeugnissen etwas mehr 
Bewegungsfreiheit, so rührte man an dem Konsignationssystem, 
soweit es den niederländischen Markt für die ostindischen Produkte 
bevorzugte, noch nicht, da dieses für das Mutterland doch recht 
vorteilhaft erschien. Es war auch nicht zu leugnen, daß durch 
dies System für 30 Jahre Holland der Hauptmarkt für Kaffee ge- 
worden war, daß die Amsterdamer Zuckerraffinerien durch die 
Zufuhren von Java-Rohzucker geblüht hatten, daß Java-Tee, 
namentlich aber Java-Tabak eine bedeutende Rolle auf dem hollän- 
dischen Markt sich eroberten!). Man meinte auch aus vielen Gründen, 
in den Niederlanden für die Produkte bessere Preise erzielen zu 
können als in Indien. Solange das Kultursystem in Wirksamkeit 
war, schien allerdings ein Übergang zum alleinigen Verkauf aller 
Regierungsprodukte in Indien bedenklich zu sein; man glaubte, 
die Ausdehnung der Verkäufe in Indien genügend dadurch bewirkt 
zu haben, daß schon etwa 600 000 Pikols Zucker in Java dem 
freien Handel zur Verfügung gestellt waren. Die Teekulturen 
wurden 1860 den Privatleuten ganz freigegeben, nachdem die 
Regierung, die bis 1842 diese Kulturen allein besaß, an den 
Kontrakten über die Lieferung dieses Artikels sehr große Ver- 
luste erlitten hatte. 
Die Lage der eingeborenen Bevölkerung, die unter dem ‚„Kultur- 
1) Schon 1840 verkaufte die Ned. Hand. M. etwa 700 000 Ballen Kaffee; 
1858 wurden für 90 Mill. fl. Produkte zu Gelde gemacht. Auf einer einzigen Kaffee- 
auktion wurden gelegentlich 4—8600 000 Ballen verkauft (Gedenkboek d. Ned, 
Hand. Maatsch. 1824—1024, S. 43 ff.); vgl. auch Franck, S. 505.
	        
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