system‘‘ seufzte, hat sich erst langsam gebessert!). Das Buch von
Multatuli, Max Havelaar, das 1860 erschien, verfehlte zwar
nicht seinen erschütternden Eindruck auf das niederländische Volk,
indem es die jämmerliche Lage der Javanen unter dem Aufsaugungs-
system einer gewissenlosen Regierung schilderte; es hat auch
zweifellos manche Stimmungen beeinflußt. Die verwickelten Be-
ziehungen zwischen dem Kultur- und Konsignationssystem, der
Finanzverwaltung usw. ließen sich aber so schnell nicht entwirren,
wie es gewiß dem Wunsche des niederländischen Volkes in seiner Ge-
samtheit und auch den allgemeinen wirtschaftlichen Interessen ent-
sprochen hätte. Erst mit dem Jahre 1874 hörte das Konsignations-
system auf; und allmählich wurden nun auch, nachdem das de
W aalsche Agrargesetz von 1870 die Übergabe wüsten Landes an
Europäer und damit große wirtschaftliche Unternehmungen er-
möglicht hatte, die Zustände des javanischen Volkes menschen-
würdiger, wenn auch manche drückenden Mißbräuche, wie die aus
der Zeit der Ostindischen Kompanie übernommene Verpachtung ge-
wisser Einnahmen und Monopole (Opium) noch weiter bestanden?).
Freilich hörte nun auch Indien auf, dem Mutterlande als ergiebige
Finanzquelle zu dienen, wie das jahrzehntelang der Fall ge-
wesen war).
Wenn many ;deni Eigenhandel: der. Maat-
schappij in diesen 40 Jahren ihres Bestandes betrachtet, so
hatte er sehr wenig befriedigende Erträge geliefert. Unter den
Einfuhrgütern, die die 1827 errichtete Faktorei der Gesellschaft aus
dem Mutterlande bezog, nahmen von Beginn an die Kattunwaren
einen überwiegenden Raum ein; zuerst kamen sie namentlich aus
) Franck, S. 499 ff. beurteilt das Kultursystem freundlicher und sieht
in ihm eine notwendige „vorübergehende Erziehungsmaßregel‘, als „dauernde Pro-
duktions- und Kolonisationsform‘‘ lehnt er es ab (S. 506).
?) Vgl. Th. Thomas, Eenige opmerkingen — Pachtstelsel op Java;
vgl. auch die von Endt veröffentlichten ‚Koelie-Kontrakten‘ in Sumatra.
In „De Economist‘‘, 1869, S. 313 ff. trat Bauduin, „Het consignatie-stelsel“‘
für möglichste Freiheit im kolonialen Handel ein; auf die Dauer werde man die
völlige Freigebung nicht hindern können. Über die Opiumpacht vgl. J. E. L., De
Opiumpacht (De Economist, 1873, S. 805 ff., 905 ff.). Über den Kampf um das
„Kultursystem‘“ Anfang der 1860er Jahre vgl. Blok, Geschiedenis, VIII, 177.1:
°) Vgl. oben S. 555; 1877 betrugen die indischen Zuschüsse nur noch 1,90%
der Staatseinnahmen, gegen 10—12% zehn Jahre vorher (Franck, S. 522).
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