Object : Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

178

Die  Organisation.

Vorkommen,  die  sich  ganz  nach  besonderen  Verhältnissen  richten;  so  hat  etwa  ein
Einheitspreisgeschäft  mit  3400  Personen  4  Stufen,  ebenso  ein  Warenhaus  mit
660  Personen  und  ein  Massenfilialgeschäft  von  1000  Personen,  dagegen  ein  Fachgeschäft ­
  mit  50  Personen  nur  2  Stufen.  Wenn  in  zwei  Fachgeschäften  der  Bekleidungsbranche ­
  bei  80  Personen  ebenfalls  4  und  bei  70  Personen  sogar  5  Rangstufen ­
  vorhanden  sind,  so  scheinen  offenbar  besondere  Verhältnisse  maßgebend  zu
sein 1 .  Für  industrielle  Betriebe  ist  das  gleiche  Verhältnis  festzustellen;  so  haben
etwa  ein  Eisenhütten-  und  Walzwerk  und  ein  Steinkohlenbergwerk  mit  je  rd.
2000  Beschäftigten  im  kaufmännischen  Bereich  3,  im  technischen  Bereich  4  Rangstufen ­
 1  2 .
Diese  Tatsachen  sind  einerseits  für  die  Untersuchung  der  Durchsetzung  des
zentralen  Betriebswillens  sehr  bedeutsam,  da  sie  zeigen,  daß  nach  rein  sachlichen
Gegebenheiten  der  Instanzenzug  eine  durchaus  erträgliche  Grenze  an  der  Größenordnung ­
  findet,  zumal  er  durch  die  schon  erwähnten  „letzten  Entscheidungsstellen“ ­
  und  die  dadurch  bewirkte  Gleichstellung  bestimmter  Stufen  gemildert
wird.  Wichtig  werden  aber  in  diesem  Zusammenhang  noch  andere  Ursachen,
welche  in  den  Betrieben,  besonders  in  den  kaufmännischen  Bereichen,  oft  zu  übertriebener ­
  Rangstufung  führen.  Erste  Folge  der  verhältnismäßig  geringen  Stufenreihe ­
  der  Rangordnung  ist  naturgemäß  eine  im  Verhältnis  zu  der  Zahl  der  Beschäftigten ­
  geringe  Anzahl  leitender  Stellen:  die  angeführten  Zahlenbeispiele  und
auch  die  wirklichen  Verhältnisse  lassen  erkennen,  daß  selbst  die  größten  wirtschaftlichen ­
  Unternehmungen  mit  40  bis  60,  höchstens  100  leitenden  Persönlichkeiten ­
  in  den  verschiedenen  Rangstufen  geführt  werden  könnten,  und  daß  es
tatsächlich  Betriebe  gibt,  bei  denen  das  Verhältnis  der  leitenden  Personen  zur
Gesamtbelegschaft  etwa  in  dieser  Größenordnung  liegt.  Das  ist  vor  allem  im
technischen  Bereich  der  Fall,  wo  die  Befehls-  und  Willensgewalt,  die  Verteilung
der  Befugnisse  straffer  durchgebildet  und  gehandhabt  wird.  Neben  diesen  Personen ­
  sind  allerdings  eine  große  Anzahl  von  anderen  tätig,  welche  der  eigentlichen
Führung  bzw.  den  zur  Betriebsführung  ausgebildeten  Befehlsstufen  zur  Unterstützung ­
  beigegeben  sind.  Gegenüber  dieser  geringen  Zahl  tatsächlich  führender
und  wirklich  maßgebender  Personen  im  Betriebe  bekommt  das  Idol  des  Aufstiegs,
das  besonders  in  der  Angestelltenschaft  eine  große  Rolle  spielt,  ein  anderes  Aussehen, ­
  als  ihm  nach  der  Breite  der  Erörterungen,  die  über  diese  Frage  gehalten
wurden,  zuzukommen  schien.  Der  Aufstiegsillusion  —  als  solche  kann  man  sie
nach  den  wirklichen  Verhältnissen  für  die  breite  Masse  der  Gefolgschaft  wohl
bezeichnen  —  kommt  die  Betriebsleitung  allerdings  entgegen  durch  eine  oft  über
das  eigentlich  notwendige  Maß  hinausgehende  Abstufung  zum  Zwecke  der  Gehaltsfestsetzung, ­
  welche  jeweils  mit  zwar  geringen,  aber  doch  für  die  Schaffung  feiner
Unterschiede  bedeutsamen  Befugnissen  verknüpft  zu  sein  pflegt.  Da  die  zur
Verfügung  stehenden  Instanzen  keine  Handhabe  für  eine  sehr  weitgehende  Stufung
zulassen,  wird  die  Art  der  zu  erledigenden  Aufgabe  mit  herangezogen.  Die  hinter
S.  144  dargestellte  Abb.  Nr.  9  zeigt  gut  nicht  nur  die  Rangstufung,  sondern  auch  die
Gehaltsstufung 3 ,  welche  sich  nach  der  Bedeutung  der  zu  vertretenden  Aufgabe  (Folgen ­
  der  Vernachlässigung  1),  der  Schwierigkeit  der  Erledigung  (Anforderungen  an
Bildung,  Fähigkeiten,  Schulung  ?)  und  anderen  persönlichen  Merkmalen  richtet  4 , 5 .
1  Sämtliche  Beispiele  bei  Nordsieok:  Die  Arbeitsaufgaben  und  ihre  Verteilung,  in
Seyffert:  Handb.  d.  Einzelhandels,  S.  230/36.
2  Beispiele  bei  Eayol:  S.  46/47.
3  Aus  dem  Amerikanischen  (Scott-Clothier;  Personnel  Maganement,  Chicago  und  New
York,  1925,  S.  318/19),  angeführt  nach:  Die  Betr.-Wirtsch.,  H.  6  (1931),  S.  176.
4  Nordsieok:  Aufgabenverteilung  und  Instanzenbau  im  Betrieb,  Die  Betr.-Wirtsch.,  H.  7
(1931),  S.  210.
5  Dreyf  uß  führt  (S.  13—28)  eine  große  Zahl  von  sozialen  und  psychischen  Auswirkungen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.