Kapitel III. Die Assozialisten.
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mehr oder weniger überall entstanden, und deren Popularität unter ge
wissen Gruppen französischer Arbeiter noch heute recht groß ist. So
hat Louis Blanc zusammen init Owen und Foukier dem Prinzip der
Genossenschaft einen kräftigen Anstoß gegeben, und gerade dadurch ver
dient er einen wenn auch etwas geringeren Platz in der Geschichte des
Assozialismus.
Außer Louis Blanc müssen noch zwei Männer erwähnt werden,
die den Assozialismus bis zur Revolution von 1848 fortgeführt haben,
Leroüx und Cabet.
Pierre Leroux übte auf seine Zeit einen bedeutenden Einfluß aus.
Die Romane George Sand’s sind mit sozialen Abhandlungen erfüllt, die,
wie sie selbst erklärt, von ihm stammen. Man kann jedoch in Leroux’s
oberflächlich humanitären Büchern keine wirklichen Beiträge zur Wissen
schaft finden, — ausgenommen vielleicht sein Vertrauen in die Assoziation 1 )
und im Besonderen in die Idee des Gesetzes der Solidarität, die zu einer
großen Zukunft berufen war. Er scheint der erste zu sein, der das be
rühmte Wort in dem Sinne gebraucht hat, den man ihm heute beilegt,
nämlich als Ersatz für Barmherzigkeit 2 ).
Ihm muß anscheinend auch die Vaterschaft des Wortes Sozialismus
als entgegengesetzt zu Individualismus 3 ) zugesprochen werden. Und
sicherlich muß die Einführung dieser beiden Worte genügen, um ihm bei
allen Soziologen Unsterblichkeit zu sichern.
Cabet war, was ja bei einem Sozialisten nicht gerade oft vorkommt,
Oberstaatsanwalt gewesen, allerdings nur kurze Zeit; er hat aber eine
viel größere Berühmtheit durch seinen Roman: Reise nach Ikarien
erlangt. Sein System hat nichts besonders Originelles an sich. Gegen
den ewig gültigen Einwurf: Was macht man mit denen, die nichts tun
wollen? hat er die gleiche, leichte Antwort: „Die Faulen? die kennen wir
nicht“ (in Ikarien nämlich). Unglücklicherweise versuchte er, eine über-
U b »Wenn ihr keine Assoziation der Menschen wollt,“ rief er in der Assemblee
nationale von 1848 aus, „so sage ich euch, daß ihr die Zivilisation zu einem entsetz-
lc en Todeskampf verdammt. 5 * _ • • •
. 2 ) In seinem Buche L’Humanite (1840). Man darf aber von dieser Laizisierung
^Wohltätigkeit nicht schließell) daß Leroux anti-religiös gesinnt war. Keineswegs;
gt er doch selbst, daß er den Gedanken der menschlichen Solidarität dem Apostel
U us verdankt: „wir sind Alle Glieder eines Leibes“. ,
j) > »Rh war es,“ sagt er, „der sich zuerst des Wortes Sozialismus bedient hat.
«Uls war es ein Neologismus, aber ein notwendiger Neologismus. Ich bildete dieses
taf, u 8 Ge g“ 3 atz zu Individualismus“ (Grüve de Samarez, S. 288 . Er hat auch.
ifXfeW'ck im Jahre 1834 in der Revue encyclopddique einen Aufsatz veroffent-
jSo :De I’lndividualisme et du Socialisme. Das Wort findet sich noch früher,
l,.’^ er gleichen Zeitschrift, Discours sur la Situation actuelle de 1 espnt
hin t- ln ' ®' e I le auch seine CEuvres complötes, Bd. I, S. 121, 161, 378; und weiter-
trifft-* 11 ' a ^ es ’ wa,s diesen etwas langweiligen, aber erfindungsreichen Schriftsteller be-
v gb das Buch von F. Thomas, Pierre Leroux (1905).