Full text: Finanzwissenschaft

F. I. Abschnitt. Die Einkommenssteuer. A 
Eventuell macht die Einkommenssteuer ein strengeres Verfahren bei 
Erforschung der Steuerquellen notwendig. 
2. Einkommensbegriff. Wie wir bereits sahen, macht die Ein- 
kommenssteuer vor allem eine genaue Festsetzung des Begriffes Ein- 
kommen nötig. Mit Rücksicht auf die hierbei auftauchenden Schwierig- 
keiten haben jedoch einzelne Gesetzgebungen dies aufgegeben und 
fanden es zur Verwirklichung der auch sonst schwierigen Aufgaben. 
der Besteuerung zweckmäßiger, die wichtigsten Arten des Einkommens 
aufzuzählen. Das Einkommensgesetz für Sachsen gab wohl 8 15 
eine Definition, die das österreichische Gesetz beinahe wörtlich 
wiederholte ($ 159). Andere Gesetze geben dagegen ganz einfach 
die wichtigsten Arten des Einkommens. Bei Aufzählung der 
wichtigeren Arten des Einkommens kann eventuell die Definition 
einfach den Zweck der Zusammenfassung haben. Die Lösung der 
Aufgabe scheint doch erst dann gelungen, wenn das Gesetz die 
Erklärung des Begriffes Einkommen nicht umgeht, da dieser Be- 
griff nicht so klar ist und der Menge der Steuerzahler weniger ge- 
läufig ist, als die Begriffe: Grundstück, Haus usw. Namentlich 
macht die Anrechnung von Naturaleinkommen große Schwierig- 
keiten, sowohl dessen Konstatierung, wie die Berechnung desselben. 
Auch muß eine gewisse Grenze eingehalten werden, damit Vexationen 
vermieden werden, weshalb minimale Einkommensteile unberück- 
sichtigt bleiben müssen *). 
3. Subjekte. Die Bezeichnung der der Einkommenssteuer unter- 
liegenden Personen, also der subjektiven Steuerpflicht, gehört zu den 
schwierigeren Aufgaben der Einkommenssteuer. Die in dieser Be- 
ziehung maßgebenden allgemeinen Prinzipien haben wir bei der Frage 
der Steuersubjekte entwickelt. Bei der Einkommenssteuer begegnen wir 
zwei Gefahren: einmal der Doppelbesteuerung, dann der gänzlichen 
Freilassung. Vom Standpunkte der subjektiven Steuerpflicht sind 
namentlich folgende Kategorien zu unterscheiden: a) Inländer; 
b) Ausländer; c) physische Personen; d) juristische Personen; 
e) ungeteilte Vermögensmassen. Sowohl bei Inländern als bei Aus- 
ländern entsteht die Frage, woher das Einkommen stammt, ob vom 
') Ein Bild der hier sich darbietenden Schwierigkeiten zeigen folgende 
Erklärungen Fuisting’s (Das preußische Einkommensteuergesetz, Berlin 1907, 
S. 125): Steuerpflichtig ist auch der Wert des den Keller- und Weinbergarbeitern 
zustehenden „freien Trunkes“, nicht sind es Gelegenheitsgeschenke von Genuß- 
mitteln geringeren Wertes, nicht der Mietswert der dem Steuerpflichtigen zum 
Schlafen überwiesenen Wächterstube. Wird einem Steuerpflichtigen freier Schul- 
unterricht für seine Kinder als Entgelt für seine Lehrtätigkeit nach Verein- 
rung gewährt: so erscheint der ihm hierdurch erwachsene Vorteil als Ein- 
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