thumbs: Bevölkerungslehre

I. Kap. Das Problem 
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zieht. Schon bei Sismondi?) finden sich dazu starke Ansätze, die 
dann vornehmlich durch Dühring®?) weiter ausgebaut worden sind. 
Dühring vertritt die Meinung, daß die Kräfte der Menschen 
proportional stärker steigen, als ihrer Zunahme entspricht, weil mit 
dem Volkswachstum sich die Organisation der menschlichen Kräfte 
anders gestalte. „Dieses Grundgesetz hat demnach die Tendenz, 
die Lage der Bevölkerung in dem Grade zu verbessern, als die 
Dichtigkeit derselben eine wirksamere Kraftentwicklung gestattet.“ 
Der vereinzelte Mensch ist am schwächsten und die Stärke einer 
Menschengruppe beruht auf der durch ihre Anzahl und Nähe er- 
nöglichten Organisation. Ähnliche Anschauungen hat zuvor be- 
zeits Carey?) vertreten, wenn er meinte, daß im Jugendalter der 
Gesellschaft, in dem die Menschen gering an Zahl, arm und schwach 
sind, sie wenig befähigt sind, Forderungen an die Natur zu stellen, 
die ihnen deshalb nur geringe und unsichere Vorräte an Nahrung‘ 
liefert. „Wenn ihre Zahl aber wächst, werden sie instand gesetzt, 
zusammenzuwirken und so eine bedeutende Zunahme an Kraft zu 
gewinnen.“ 
Allerdings begegnen wir dann auch wieder ganz anderen An- 
schauungen. Max Weber“*) hat einmal gesagt: „Eine riesige Volks- 
vermehrung antwortet auf diese stetige Expansion des Nahrungs- 
Spielraums (so, nicht umgekehrt ist natürlich, wie im gleichen Fall 
immer, das Kausalverhältnis)‘“. Von der neueren Entwicklung dieser 
Zusammenhänge hat L. Pohle®) einmal gemeint: „Einmal ist es 
zrundverkehrt, die Sache so darzustellen, als ob zuerst der Be- 
völkerungszuwachs dagewesen sei und es sich dann darum gehandelt 
habe, ihn irgendwie unterzubringen und zu beschäftigen. Gerade 
umgekehrt verhält sich die Sache: weil es möglich war, eine ver- 
mehrte Bevölkerung zu ernähren, deshalb hat sich der stete Be- 
völkerungszuwachs eingestellt“. Auch Dietzel®) vertritt einen 
analogen Standpunkt, wenn er ausführt: „Die rasche Zunahme der 
') Neue Grundsätze der politischen Ökonomie, 2. Bd., 1902, Buch 7. 
*% Cursus. der National- und Sozialökonomie, 3. Aufl,, 1892, S. 100. 
*) Lehrbuch der Volkswirtschaft und Sozialwissenschaft, 1866, Kap. 38. 
') Handwörterbuch der Staatswissenschaften, 3, Aufl., Artikel 8: Agrargeschichte, 
5. 159. 
5) Deutschland am Scheidewege, 1902, S. 85. 
3) Weltwirtschaft uud Volkswirtschaft, 1900, S. 118. — Dagegen nimmt gemäß 
seiner materialistischen Geschichtsauffassung der Sozialismus eine ganz andere Haltung 
ein. Er lehnt die Bedeutung des Volkswachstums als treibendes Element der wirt- 
schaftlichen Entwicklung ab. Vergl. dazu M. Beer, Zur Bevölkerungslehre. Neue 
Zeit. 25. Jahrg., Bd. I, 1907, S. 567 ff.
	        
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