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Wendung solcher Fischhaut in der Kunstindustrie hauptsächlich zu Futteralen,
wovon ebenfalls zuerst Beckmann berichtet *), die Türken verfertigten
daraus schöne Uhrgehäuse, und um 1880 war das Haus Giraudon in
Paris wegen seiner geschmackvollen Verarbeitung dieser Lederarten zu
Galanteriewaren bekannt 2 ).
Solche Bestrebungen und Versuche mögen es erklärlich machen,
daß die Einfuhr derartiger Hautarten so gestiegen ist, daß seit dem
1. März 1906 aus der bisherigen Rubrik nicht besonders genannter
Häute und Felle nunmehr eine besondere Position über die Einfuhr
und Ausfuhr roher Fisch- und Kriechtierhäute abgetrennt worden ist^);
es möge genügen, aus der außerordentlich wechselnden Zahlenreihe die
Zahlen für das Jahr 1908 anzuführen:
Rohe Fisch- und Kriechtierhäute
Einfuhr Ausfuhr Differenz
945 dz 4 dz 941 dz
Die Einfuhr stammt überwiegend aus den Vereinigten Staaten
Amerikas, die geringe Ausfuhr geht nach Österreich-Ungarn und nach
Großbritannien.
Häute von Amphibien find wohl nirgends Gegenstand der
Gerberei; denn die großen Amphibien des Perms und der folgenden
Schichtenshsteme haben in unseren Tagen nur kleine, unbrauchbare Nach
folger geliefert; das schließt jedoch nicht aus, daß man gelegentlich die
gegerbte Haut großer Frösche als Kuriosum sehen kann.
Die Lederhaut mancher Reptilien, bedeckt von dem stark ver
hornten, oft mächtigen Stratum corneum der Epidermis, mag, nach
Wandgemälden 4 ) zu fchließen, schon in manchen Teilen des alten Ägyptens
bearbeitet worden sein.
Jedoch hat erst die moderne Kunstindustrie einen größeren Bedarf
nach derartigen Häuten, besonders von Schlangen, Alligatoren, Kroko
dilen usw. erzeugt 5 ), wobei stellenweise die Jagd auf diese großen wert
vollen Eidechsen zu ihrer völligen Ausrottung geführt hat. So wurden
in Florida durch Haut- und Topsjäger, welch letztere hauptsächlich eßbare
Eidechsen jagen, in den Jahren 1889—1894 2 4 /, Millionen dieser
Tiere erschlagen, und 1889 kauften 3 Firmen in Kifsiinmee 30000 Rep
tilienhäute 6 ).
Die Haut der Vögel, zu der wir jetzt übergehen, ist durch den
Besitz des Federkleides an weitaus den meisten Stellen der dünnen
Lederhaut und dem ebenfalls nur schwach entwickelten Stratum eorueum
ausgezeichnet. Auch auf dieses Material hat die Findigkeit von Natur-
tz Beckmann 1794, Bd. I, S. 183. tz Deutsche Gerberzeitung 1880, Nr. 53.
tz Jörissen 1909. 4 ) Jörissen 1909, S. 8. 5 ) Bücher 1893, S. 191.
°) Ledermarkt 1903, Nr. 67, S. 16.