Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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Völkern  hingewiesen.  So  tragen  nach  Cook  *)  die  männlichen  Bewohner
Unalaschkas  Kittel  aus  Vogelhäuten,  das  erste  Kleid  des  Kindes  im
Basfinland  besteht  aus  einem  Vogelgefieder 2 ),  und  der  Missionar  Cranz
erzählt  uns  sogar,  wie  bei  den  Eskimos  eine  weitgehende  Differenzierung
in  der  Auswahl  der  Stücke  eingetreten  ist,  indem  bei  den  Hemden  aus
Vogelpelzen  die  Federn  einwärts  getragen  werden  ^),  indem  aus  dem
Rücken  der  Seevögelfelle  dünne  leichte  Unterkleider,  aus  den  Bäuchen
warme  Winterkleider,  aus  den  Hälsen  schöne  Staatspelze  gefertigt
werden,  und  bei  diesen  kehren  sie  gemeiniglich  die  Federn  auswärts  Z.
Auch  von  den  Azteken  Amerikas  B )  erfahren  wir  über  die  Verwendung ­
  von  Vogelpelzen.  Das  Mittelaller  hat  auf  die  wärmende  Eigenschaft ­
  gerade  der  Vogelpelze  °)  bei  der  Heilung  mancher  Krankheiten
Wert  gelegt;  1762  7 )  erfahren  wir  von  der  Verwendung  von  Schwanenfellen
  und  Norken  zu  Frauenmuffen,  1819  8 )  von  Pelzwerk  aus  Schwanenfellen,
  von  Gansfellen  zu  Futter  in  Winterkleidern,  und  wenn  endlich
in  der  Statistik  des  auswärtigen  Handels  des  deutschen  Zollgebietes
unter  Nr.  405  neben  Häuten  von  Pelztieren  auch  Vogelbälge  angeführt
werden,  so  sehen  wir,  wie  wenig  die  sonst  so  oft  wechselnde  Bedarfsund ­
  Geschmacksrichtung  an  der  Verwendung  dieses  Materials  gedeutelt
haben.
Noch  eine  Stufe  aufwärts  in  der  Tierreihe,  und  wir  sind  bei  ihrer
höchsten  Erscheinungsform  angelangt,  nämlich  bei  den  Säugetieren.
Nicht  nur,  daß  hier  das  Bindegewebe,  wie  in  den  tiefer  liegenden
Teilen,  so  auch  im  Corium  der  Haut  die  höchste  Form  der  Entwicklung
erreicht,  sondern  die  Haut  der  Mammalien  unterscheidet  sich  von  der
Haut  aller  übrigen  Wirbeltiere  auch  noch  durch  den  infolge  der  Jdiothermie
  erworbenen  Besitz  der  Haare  in  so  charakteristischer  Weise,  daß
bereits  Oken  für  diese  Tierklasse  den  Namen  „Haartiere"  in  Vorschlag
gebracht  hat.  Über  den  histologischen  Charakter  und  die  Einfügung
des  Haares  in  die  epitheliale  Wurzelscheide  ist  bereits  an  früherer  Stelle
gesprochen  worden.  Aus  dem  Besitz  der  Haare  ergibt  sich  eine  Reihe
von  wichtigen  Konsequenzen,  welchen  der  allgemeine  Sprachgebrauch
sogar  durch  eine  eigene  Nomenklatur,  die  Praxis  der  Gerberei  durch
eigene  Operationen  schon  auf  verhältnismäßig  niederen  Stadien  der
Fellarbeit  gerecht  geworden  ist.
Vor  allen  Dingen  bezeichnet  der  Sprachgebrauch  mit  dem  Wort
„Pelz"  nur  die  mit  Haaren  dicht  bestandene  Haut,  in  den  mittelalterlichen ­
  Ordnungen  findet  man  hierfür  sehr  häufig  den  Ausdruck  „rauhe,
0  Cook  1789,  Bd.  IV,  S.  97.  2 )  Ratzel  1894,  Bd.  I,  S.  539,  91.
3 )  Cranz  1770,  Bd.  I,  S.  183.  *)  Cranz  1770,  Bd.  I,  S.  220.
°)  Biart  1885,  S.  212.  6 )  Becher  1663,  S.  69.
')  Halle  1762,  Bd.  II,  S.  313,  321.  8 )  Kceß  1819,  S.  349.
            
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